Flora / Münzstadt-Brunnen

- Künstler*in
- Karl Hänny
- Jahr
- 1930
- Material
- Kunststein
- Ort
- Schwarztorstrasse 62, 3007 Bern
Geschichte des Werks
Am Westende der kleinen Platzanlage an der Schwarztorstrasse steht ein Transformatorenhaus in der Form eines klassizistischen Tempels. Seine Front bildet ein Brunnen, den der Architekt Jacques-Denis Antoine 1789 für den Hof der Münzstatt in der Altstadt entworfen hatte. Als die Münzstatt einem Neubau weichen musste, wurde der Brunnen auf Antrag des Malers Adolf Tièche 1912 hier wieder aufgestellt. Die Kunststeinfigur der Flora an der Ostseite des Häuschens schuf Karl Hänny 1930.
Das Bauinventar beschreibt den Brunnen als wuchtige Ädikula: Zwei dorische Säulen tragen ein glattes Gebälk und einen weit vorspringenden Dreieckgiebel. Zwei halbrunde Stufen führen zu einem Becken in Muschelform vor einer Tropfsteinwand, in der eine Maske von 1912 das Wasser ausgiesst. Die Prellsteine an den Seiten stammen vom früheren Hauptportal der Münzstatt. Der übrige Bauschmuck an der Rückseite geht vermutlich auf Tièche selbst zurück, dessen Name am Gebälk steht. Das Inventar sieht in der Brunnenfront einen der seltenen erhaltenen Bauten des strengen Hochklassizismus in Bern.
Karl Hänny wurde am 13. Juni 1879 in Twann geboren. Er lernte am Technikum Biel Stahlgraveur, Medailleur und Ziseleur, arbeitete danach in Ulm, Wien und München, studierte an der Kunstgewerbeschule Bern und besuchte 1903 Auguste Rodin in Paris. Ab 1907 lebte er in Bern. Er arbeitete als Bildhauer, Maler, Grafiker und Medailleur; nach der Wikipedia schuf er über 400 Plaketten und zahlreiche Baudekorationen, meist aus Kunststein, etwa am Verwaltungsgebäude der Bernischen Kraftwerke am Viktoriaplatz. Von ihm stammen auch Europa und Neptun im Rosengarten. Hänny war 1920 erster Präsident der Volkshochschule Bern und starb am 12. April 1972 in Ligerz.
Zwischen dem Münzstatt-Brunnen und dem Kull’schen Brunnen am anderen Ende spannt sich eine Allee mit Rasen und einem Schachspielplatz. Die Platzanlage wurde von 1912 bis 1915 in Etappen gestaltet. Wer um das Transformatorenhaus herum auf die Ostseite geht, findet dort die Flora; auf der Vorderseite lohnt der Blick auf die Prellsteine, die einst am Portal der Münzstatt standen.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Kultur Stadt Bern, Kunst im öffentlichen Raum (offene Daten) · Bauinventar Stadt Bern: Schwarztorstrasse 62 (Platzanlage mit Transformatorenstation) · Wikipedia (de): Karl Hänny · SIKART: Karl Hänny · Wikimedia Commons: Flora-Statue von Karl Hänny (1930)
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