Bürogebäude an der Thunstrasse 73
Ein gläserner Bürobau von 1962/63 im Berner Kirchenfeld: Frank Geisers Haus an der Thunstrasse 73 scheint über dem Erdgeschoss zu schweben.

- Adresse
- Thunstrasse 73
- Baujahr
- 1962–1963
- Architekt
- Frank Geiser, Bern
- Stil
- Moderne in der Tradition von Mies van der Rohe
- Heute
- Botschaftskanzlei (laut Wikidata Botschaft Angolas)
- Bauherrschaft
- Paul Kolb, Bern
- Schutz
- schützenswert (Bauinventar)
- Schutz
- schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
Wer die Thunstrasse stadtauswärts geht, trifft bei Nummer 73 auf ein Haus, das sich deutlich von den Villen ringsum abhebt. Ein zweigeschossiger, flach gedeckter Kubus sitzt auf Stützen über einem zurückgesetzten Erdgeschoss, das ganz aus Glas besteht. Auch die oberen Geschosse sind auf allen Seiten verglast; ein Raster aus Leichtmetallprofilen teilt die grossen Scheiben. Rund um das Haus fassen zwei Ringe aus Betonmauern die Grünfläche geometrisch ein, sodass der Garten selbst als Sockel des Gebäudes gelesen werden kann.
Entworfen hat den Bau der Berner Architekt Frank Geiser (1935–2024), Bauherr war Paul Kolb aus Bern; ausgeführt wurde er 1962/63. Geiser hatte sich 1962 mit 27 Jahren selbstständig gemacht und brachte, wie ein Nachruf festhält, seine Entwurfshaltung von der Ausbildung in Ulm mit. Das Haus an der Thunstrasse gehört damit zu seinen ersten Arbeiten. Tragwerk ist ein Betonskelett mit quadratischen Stützen und einem Kern in der Mitte, die Fassaden sind vorgehängte Curtainwalls aus Glas und Leichtmetall.
Die städtische Denkmalpflege stellt das Gebäude in die Linie jener Moderne, für die Ludwig Mies van der Rohe stand. Dieselbe strenge Haltung zeigt Geisers Verwaltungsgebäude der Radio Schweiz AG an der Schwarztorstrasse 61 (1969–1972), das das Bauinventar als wohl wichtigstes Werk seiner frühen Jahre bezeichnet.
Im Erdgeschoss lagen ursprünglich Ausstellungsräume. Später wurde das Haus zur Kanzlei einer Botschaft; nach Wikidata hat hier die Vertretung Angolas ihren Sitz. Um 2010 folgten Umbau und Sanierung. Das Inventar bemerkt, dass sich heutige Sicherheitsanforderungen kaum mit der offenen, leichten Erscheinung des Baus vertragen. Es stuft das Gebäude als schützenswert ein und zählt es zur Baugruppe Kirchenfeld; auch der Aussenraum gilt als denkmalpflegerisch von Interesse. Von der Strasse aus lohnt ein Blick auf die doppelten Betonmauern: Sie sind Teil des Entwurfs und nicht bloss Einfriedung.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Thunstrasse 73 · Wikidata: Q128806094 · Open House Bern: Wohn- und Atelierhaus Bellevuestrasse (mit Nachruf auf Frank Geiser) · Bauinventar der Stadt Bern: Schwarztorstrasse 61 / Zieglerstrasse
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