Anna-Seiler-Brunnen vor dem Käfigturm
Eine Frau in blauem Kleid giesst Wasser aus einem kleinen Krug in eine Schale. Der Brunnen vor dem Käfigturm trägt den Namen der Frau, die 1354 das Krankenhaus gründete, aus dem das Inselspital wurde.


- Künstler
- Werkstatt von Hans Gieng
- Jahr
- 1545/46
- Material
- Kalkstein, bemalt
- Ort
- Marktgasse, vor dem Käfigturm
- Zugang
- frei, rund um die Uhr
Der Anna-Seiler-Brunnen steht am oberen Ende der Marktgasse, direkt vor dem Käfigturm. Er wurde 1545/46 gebaut und ersetzte einen Brunnen aus dem 14. Jahrhundert. Die Figur stammt aus der Werkstatt des Bildhauers Hans Gieng, von dem auch weitere Figurenbrunnen der Altstadt stammen. Signiert hat er seine Figuren nicht, darum spricht man von seiner Werkstatt.
Was die Figur zeigt
Auf der Säule steht eine Frau in einem blauen Kleid. In der einen Hand hält sie eine Schale, mit der anderen giesst sie aus einem kleinen Krug Wasser hinein. Gemeint ist vermutlich die Mässigkeit (lateinisch Temperantia), eine der vier Kardinaltugenden. Bis ins 19. Jahrhundert hiess der Brunnen deshalb auch Temperantia-Brunnen. Noch früher nannte man ihn „Kefibrunnen“ oder Brunnen „by der Gefangenschaft“, nach dem Käfigturm, der damals ein Gefängnis war.
Wer war Anna Seiler?
Anna Seiler lebte im 14. Jahrhundert in Bern, sie starb vor dem August 1360. Sie war Witwe und hatte keine Kinder. Am 29. November 1354 legte sie ihr Testament ab: Ihr Vermögen sollte ein Krankenhaus mit 13 Betten für arme, bettlägerige Menschen tragen, und zwar „stets und ewig“. Das Haus lag an der heutigen Zeughausgasse und wurde nach ihrem Tod unter ihrem Namen weitergeführt.
Nach der Reformation zog das Krankenhaus in das leere Kloster St. Michael „in der Insel“. Von diesem Gebäude hat das Inselspital seinen Namen. Die Inselspital-Stiftung geht bis heute auf Anna Seilers Testament zurück, und das neue Hauptgebäude des Inselspitals heisst Anna-Seiler-Haus.
Wie der Brunnen zu ihrem Namen kam
Mit Anna Seiler hat die Figur ursprünglich nichts zu tun. Erst 1847 sah der Berner Karl Howald in ihr die Gründerin des Krankenhauses, und seither trägt der Brunnen ihren Namen.
Kopie auf der Säule, Original im Museum
- 1785/86 bekam der Brunnen einen neuen Trog nach einem Entwurf von Niklaus Sprüngli.
- Von 1889 bis 1960 stand er ein paar Häuser weiter, vor der Marktgasse 52. Seit 1961 steht er wieder vor der Nummer 58.
- 1962 wurde die Figur durch eine Kopie von Werner Dubi ersetzt. Das restaurierte Original ist im Bernischen Historischen Museum ausgestellt.
- 2013 wurde der Brunnen saniert, 2020 die Kopie der Figur restauriert.
Gut zu wissen
Der Brunnen steht frei zugänglich auf der Strasse. Die nächste Haltestelle ist „Bern, Bärenplatz“ (Tram und Bus), etwa 100 Meter entfernt, vom Bahnhof sind es rund fünf Gehminuten. Aus dem Brunnen fliesst Trinkwasser, mehr dazu im Artikel Brunnenwasser in Bern. Am 11. November um 11.11 Uhr wird gleich daneben der Fasnachtsbär in den Käfigturm gesperrt.
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- ark.burgerbib.ch: 27dm4494k6d (Burgerbibliothek Bern, Weber, Historisch-topographisches Lexikon der Stadt Bern, 2016: 1545/46, Temperantia, Kefibrunnen, Howald 1847, Sprüngli 1785/86, Standorte 1889–1960/1961, Kopie Dubi 1962)
- Wikipedia (de): Anna-Seiler-Brunnen (Original im Historischen Museum, Sanierung 2013, Restaurierung 2020, Trinkwasser)
- Wikipedia (en): Anna-Seiler-Brunnen (blaues Kleid)
- Historisches Lexikon der Schweiz (Anna Seiler, gestorben vor 14.8.1360, kinderlos, 13 Personen)
- inselgruppe.ch: geschichte des inselspitals (Testament 29.11.1354, „stets und ewig“, Weiterführung unter ihrem Namen, Name Inselspital)
- insel.ch: das neue hauptgebaeude wird anna seiler haus heissen
- transport.opendata.ch (Haltestelle Bärenplatz)
- Stadt Bern, Kunstwerke im öffentlichen Raum, Objectid 734464. Gelesen am 24.10.2026. Weggelassen, weil die Quellen sich widersprechen: Herkunft der Säule, Jahr des Umzugs ins Kloster (1528 oder 1531).
Daten: Kultur Stadt Bern (offene Daten „Kunst im öffentlichen Raum“), © OpenStreetMap-Mitwirkende. Text: Richard Červenka, Bärn Kit. Fehler gefunden? Schreib an hallo@uebrig.ch.