Käfigturm
Der Käfigturm am oberen Ende der Marktgasse ist ein barockes Stadttor von 1641 bis 1644, lange Zeit Gefängnis und heute Ort für politische Debatten.

- Adresse
- Marktgasse 67
- Baujahr
- 1641–1644 laut Bauinventar (1638–1643 laut Historischem Lexikon der Schweiz); Vorgängerturm um 1256
- Architekt
- Joseph Plepp, nach seinem Tod 1642 Antoni Graber
- Stil
- Barock
- Heute
- Polit-Forum Bern: Ausstellungen und Veranstaltungen zu politischen Themen
- Schutz
- Kulturgut von nationaler Bedeutung (KGS A), schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
Wo die Marktgasse auf Bärenplatz und Spitalgasse trifft, steht der Käfigturm quer über der Gasse. Trams und Busse fahren durch seinen Torbogen, der zweite Bogen im südlich angebauten Nebenhaus dient den Fussgängern. Der Turm misst bis zum Knauf der Wetterfahne rund 49 Meter. Seine Westseite, die Seite der Ankommenden, ist mit Eckquadern und Pilastern reicher gestaltet als die Ostseite.
Seine Wurzeln reichen in die Zeit um 1256 zurück, als Bern einen zweiten Mauerring unter savoyischem Schutz erhielt und hier einen Torturm baute. Mit der Stadterweiterung von 1345 verlor er seine Aufgabe als Wehrbau. Nach dem Brand des Zytglogge 1405 wurden die Gefangenen hierher verlegt; von da an war der Turm vor allem Gefängnis, daher der Name.
Der heutige Bau entstand im Auftrag der Republik Bern nach Plänen des Werkmeisters Joseph Plepp. Das städtische Bauinventar gibt die Bauzeit mit 1641 bis 1644 an, das Historische Lexikon der Schweiz mit 1638 bis 1643. Nach Plepps Tod 1642 übernahm Antoni Graber die Bauleitung. Militärisch hatte der Turm damals keine Bedeutung mehr; er sollte vor allem als Zeichen der Obrigkeit im Stadtbild wirken. Über der Durchfahrt sitzt eine Wappentafel mit zwei Berner Wappen und dem Reichsadler, die der Bildhauer Johannes Hülscher 1643 schuf. Dieselbe Jahreszahl steht in Gold an der Glockenstube unter der Turmspitze.
1691 bauten die Zofinger Uhrmacher Jacob Hogg und Jakob Kuntz ein Uhrwerk mit zwei Zifferblättern ein. 1886 forderte eine Petition den Abbruch des Turms zugunsten des Verkehrs, die Kantonsregierung lehnte ab. 1897 zogen die letzten Gefangenen in ein neues Bezirksgefängnis um. 1902/03 wurde der zweite Torbogen durch das Nebenhaus gebrochen, danach lagerte bis 1977 das Staatsarchiv hier Gerichtsakten. Seit 1908 steht der Turm unter Bundesschutz, 1977 bis 1980 wurde er gesamthaft restauriert.
Heute betreibt der Verein Polit-Forum Bern, getragen von Stadt, Kanton und Burgergemeinde Bern, im Turm Ausstellungen und Veranstaltungen zu politischen Themen und nennt ihn „Demokratie-Turm“. Wer zu den dunkelroten Zifferblättern hinaufschaut, bemerkt, dass sie nur einen Stundenzeiger haben.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Marktgasse 67 · Wikipedia (de): Käfigturm · Historisches Lexikon der Schweiz: Joseph Plepp · Polit-Forum Bern · Wikidata: Q1588585
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