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Andachtsraum auf dem Jüdischen Friedhof an der Papiermühlestrasse

Der Andachtsraum an der Papiermühlestrasse 112 steht auf dem Jüdischen Friedhof Bern; Albert Gerster baute ihn 1929 als frühes Beispiel des Neuen Bauens.

Andachtsraum auf dem Jüdischen Friedhof an der Papiermühlestrasse, Bern
Foto: Urs Schönholzer, Wikimedia Commons, CC BY 4.0 · Quelle
Adresse
Papiermühlestrasse 112
Baujahr
1929
Architekt
Albert Gerster, Bern
Stil
Neues Bauen
Heute
Andachtsraum des Jüdischen Friedhofs Bern
Schutz
schützenswert (Bauinventar)

Über den Bau

Der Jüdische Friedhof Bern liegt an der Papiermühlestrasse, nicht weit vom heutigen Stadion Wankdorf. Er wurde am 5. September 1871 eröffnet. Bis dahin wurden die Verstorbenen der jüdischen Gemeinschaft im elsässischen Hégenheim beigesetzt. Einen jüdischen Friedhof hatte Bern zwar schon im Mittelalter besessen, doch er lag dort, wo heute der Ostflügel des Bundeshauses steht, und war längst verschwunden.

1929 liess die Israelitische Kultusgemeinde Bern auf dem Friedhof einen neuen Andachtsraum bauen. Den Auftrag erhielt der Berner Architekt Albert Gerster, der in der Stadt unter anderem neubarocke Villen im Kirchenfeld entworfen hatte, etwa 1907 die Villa an der Elfenstrasse 20. Hier wählte er eine ganz andere Sprache: Der Bau ist schlicht und kubisch, steht auf einem Sockel, hat ein abgeschrägtes Kranzgesims und ein flaches Dach.

Die Form ist einfach zu lesen. Kern ist der würfelförmige Andachtsraum. Davor liegt eine niedrigere Eingangshalle, seitlich davon zwei noch niedrigere Anbauten mit Toiletten. So entsteht eine Staffelung von hoch zu niedrig. Licht fällt durch kleine quadratische Fenster, die immer zu dritt gruppiert und mit kunstvollen Gittern versehen sind. An jeder Seite des Andachtsraums sitzen drei solcher Gruppen, die ein durchlaufendes Gesims zusammenfasst.

Über dem Eingang steht eine Inschrift in hebräischer Schrift; übersetzt lautet sie „Stärker als der Tod ist die Liebe“. Die städtische Denkmalpflege sieht in dem konsequent gestalteten, quaderförmigen Bau eine anschauliche Umsetzung der Ideale des Neuen Bauens und einen frühen Vertreter dieser Architektur in Bern. Das Gebäude ist im Bauinventar als schützenswert eingestuft. Auf dem Friedhof befindet sich ausserdem seit 1988 ein Denkmal für die Opfer der Shoah nach einem Entwurf von Oskar Weiss.

Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Papiermühlestrasse 112 · Jüdische Gemeinde Bern: Friedhof · Wikidata Q138960803 und Q1716643 (Jüdischer Friedhof Bern)

Lage in Bern
Auf der Karte

Papiermühlestrasse 112

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