Villa Jenner
Die Villa Jenner an der Muristrasse 53 in Bern ist eine schlossartige Villa von 1893 in einem Park und seit 1926 Sitz der Vertretung Tschechiens.

- Adresse
- Muristrasse 53, Muristrasse 53a
- Baujahr
- 1893
- Architekt
- René von Wurstemberger
- Stil
- Neurenaissance (Historismus)
- Heute
- Botschaft der Tschechischen Republik
- Schutz
- schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
Auf einer kleinen Anhöhe zwischen Burgernziel und Kasthoferstrasse liegt hinter einem Tor ein Park mit alten Bäumen und darin eine Villa, die eher an ein französisches Schlösschen erinnert als an ein Berner Wohnhaus. Der Architekt René von Wurstemberger (1857–1935) baute sie 1893 für Max von Jenner. Von Wurstemberger hatte unter anderem an der École des Beaux-Arts in Paris Kurse besucht und errichtete später auch das Stadttheater Bern.
Die Villa ist im Stil der Neurenaissance gehalten. Über zwei Geschossen erhebt sich ein mächtiges Mansarddach mit unterschiedlichen Aufbauten und einem Aussichtsaufbau. Breite Gesimsbänder trennen die Geschosse, die Kombination verschiedener Baumaterialien prägt das Bild, und an der Südwestecke steht ein turmartiger Vorbau mit eigenem Dach. Den Eingang rahmen Säulen, darüber spannt sich ein fächerförmiges Vordach aus Glas, und ein schlanker Turm mit Kuppel betont diese Stelle. Gegen den Garten ist die Fassade streng symmetrisch, vor der Ostecke liegt ein Wintergarten mit grossen Rundbogenfenstern, und eine zweiläufige Treppe führt von der Terrasse in den Park. Am ansteigenden Burgernzielweg steht das gleichzeitig gebaute, einfachere Nebengebäude mit Turm, das einst Kutscher und Pförtner diente.
Von 1918 bis 1925 war hier die Gesandtschaft der Vereinigten Staaten untergebracht. 1925 mietete die junge Tschechoslowakei das Haus für ihren Gesandten, und am 16. Juli 1926 kaufte sie es. Bezahlt wurde mit Geld aus einem Kompensationsgeschäft: Die Tschechoslowakei hatte der Schweiz Zucker im Wert von 24 Millionen Franken geliefert und sollte dafür Maschinen und andere Waren beziehen. Im Zweiten Weltkrieg versuchte die deutsche Gesandtschaft mehrmals, das Deutsche Reich als Eigentümer ins Grundbuch eintragen zu lassen, doch die Schweizer Behörden lehnten ab. Im Mai 1945 erhielt die Tschechoslowakei das Haus zurück, und seit dem 1. Januar 1993 gehört es der Tschechischen Republik.
Heute dient die Villa als Botschaft, die Konsularabteilung ist im früheren Nebengebäude untergebracht. Ab 1991 wurde das Anwesen in Absprache mit der Denkmalpflege umfassend renoviert; dabei entfernte man spätere Anbauten, und der Prager Architekt Josef Pleskot entwarf einen neuen Eingang mit Glasfront zur Strasse. Die städtische Denkmalpflege zählt die Villa zu den bedeutendsten Bauten des historistischen Villenbaus in Bern.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Muristrasse 53, 53A · Wikipedia (de): Villa Jenner · Botschaft der Tschechischen Republik: The history of the Czech Embassy building in Berne · Wikipedia (de): René von Wurstemberger · Wikidata: Q128946786
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