Burgerliches Waisenhaus am Melchenbühlweg 8
Das Burgerliche Waisenhaus am Melchenbühlweg 8 in Bern entstand 1937/38 nach Plänen von Rudolf Benteli am Waldrand über einer Senke.

- Adresse
- Melchenbühlweg 8, Melchenbühlweg 8a, Melchenbühlweg 8b
- Baujahr
- 1937–1938
- Architekt
- Rudolf Benteli, Zürich
- Stil
- bodenständige Moderne mit Walmdächern
- Heute
- Gebäude der Burgergemeinde Bern; Jugendwohnheim bis Ende 2018
- Schutz
- schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
Am Waldrand oberhalb einer Senke, im Osten der Stadt, zieht sich am Melchenbühlweg eine lange, niedrige Gebäudegruppe hin. Eine mächtige Linde markiert die Zufahrt, und ein Eingangsbau auf Pfeilern empfängt die Besucher. Es ist das Burgerliche Waisenhaus, das die Burgergemeinde Bern 1937 und 1938 bauen liess. Die Pläne stammen vom Zürcher Architekten Rudolf Benteli, der zuvor einen Wettbewerb gewonnen hatte.
Die Burgergemeinde hatte ihr Waisenhaus 1757 mitten in der Stadt gegründet, am heutigen Waisenhausplatz, und dort bis ins 20. Jahrhundert Kinder und Jugendliche betreut. 1938 zogen die Kinder an den Stadtrand um. Benteli knüpfte bewusst an die Tradition des alten Hauses an und wählte eine bodenständige Architektur mit weit ausladenden Walmdächern. Neu war dagegen das Konzept dahinter: Die Kinder lebten in Familiengruppen, und das Volumen war auf einzelne Trakte mit verschiedener Nutzung verteilt. Die Denkmalpflege sieht darin einen Vorläufer der späteren Schulanlagen in Pavillonbauweise.
Die zweigeschossigen Baukörper sind leicht gekrümmt und folgen dem Verlauf der Böschung. Sie tragen Walmdächer mit einem Knick und sind beige verputzt über einem grauen Sockel. Je nach Nutzung gibt es Fensterbänder, vor allem im Erdgeschoss, oder Einzelfenster; grüne Fensterläden setzen Farbe. Im Norden gliedern vorspringende Eingänge, im Süden offene Sitzplätze die langen Fassaden. Kleine Holzbauten für Kleintiere schliessen die Anlage nach Norden ab.
Zur Bauzeit war das Projekt heftig umstritten. Mit den Jahren aber hat es sich bewährt, dank dem kindgerechten Massstab und den wandelbaren Innen- und Aussenräumen. 2002 wurde das Haus teilweise umgebaut und saniert, die offenen Sitzplätze wurden zu Wohnräumen. Später diente es als Burgerliches Jugendwohnheim, das Ende 2018 den Standort verliess; 2017 hatten sich bereits eine Privatschule und ein Bed & Breakfast eingemietet. Achten Sie beim Vorbeigehen auf die leicht geschwungenen Fronten unter den bewegten Dächern.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Melchenbühlweg 8, 8A, 8B · SRF News: Burgerliches Jugendwohnheim – nach 260 Jahren ist Schluss (20.9.2017) · Wikidata Q139039685
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