Fischer'sche Posthäuser
Die beiden Laubenhäuser an der Postgasse 64 und 66 liess Beat Fischer für seine Post bauen; sie gaben der Gasse in der Berner Altstadt ihren Namen.

- Adresse
- Postgasse 64, Postgasse 66
- Baujahr
- 1686–1694
- Architekt
- Abraham Dünz (der Jüngere); neue Fassade Nr. 66 von Daniel Stürler
- Stil
- Bernischer Hochbarock (Nr. 64), Régence (Nr. 66)
- Heute
- Schulhaus einer Berufsfachschule
- Schutz
- Kulturgut von nationaler Bedeutung (KGS A), schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
An der Nordseite der Postgasse, gleich östlich der Häuser der Staatskanzlei, stehen zwei Laubenhäuser, denen die Gasse ihren Namen verdankt. Bis 1798 hiess sie offiziell Hormatsgasse; im Alltag setzte sich der neue Name erst rund siebzig Jahre später durch. Mit den beiden Häusern beginnt ein Laubengang, der sich mit einer kurzen Lücke bis zur Postgasshalde zieht.
Bauherr war Beat Fischer (1641–1698). Er sass seit 1673 im Grossen Rat und erhielt 1675 das bernische Postregal für 25 Jahre in Pacht. Mit Verträgen mit anderen Orten der Eidgenossenschaft und mit dem Ausland machte er seine Post zum grössten Postunternehmen des Landes, das zudem zu den raschesten in Europa zählte. 1680 erhob ihn Kaiser Leopold I. in den Reichsritterstand; 1683 kaufte er die Herrschaft Reichenbach bei Zollikofen. Abraham Dünz errichtete die beiden Häuser für ihn zwischen 1686 und 1694. Für seine Erben gab Daniel Stürler später dem Haus Nummer 66 eine neue Fassade.
Bis 1832 war hier das Hauptbüro der Post. Das „grosse Büro“ leitete das ganze Netz, mit den Poststellen im bernischen Gebiet, den Grenzposten und den Stellen in Freiburg, Solothurn und Neuenburg; das „kleine Büro“ besorgte die Post der Stadt. Im östlich anschliessenden Antonierhaus waren die Sattlerei und die Remise für die Kutschen untergebracht. Weil die Postpächter Fischer der neuen Regierung den Eid verweigerten, wurden die Häuser 1831 beschlagnahmt und kamen an die Stadt. Die Münstergemeinde richtete in Nummer 64 eine Mädchen- und in Nummer 66 eine Knabenschule ein, Carl Diwy baute beide 1867 bis 1869 zum Schulhaus um. Heute nutzt sie eine Berufsfachschule für den Detailhandel.
Beide Häuser stehen auf je drei Rundbogenlauben mit wuchtigen Pfeilern. Nummer 64 hat drei Geschosse und sechs Fensterachsen; ihr einziger Schmuck ist die Jahreszahl 1694, das Jahr der Fertigstellung. Nummer 66 ist ein halbes Geschoss höher, hat fünf Achsen und zeigt mit der betonten Mitte und den gebänderten Ecken Formen der Régence. Unter ihrer Laube lohnt das Portal einen Blick: Im Gitter über der Tür ist ein Fisch zu sehen, das Zeichen der Familie, zwischen zwei Posthörnern. Daneben ist ein beschlagener Laden mit Briefeinwurf erhalten. Im gemeinsamen Hof entstanden 1868 klassizistische Treppengalerien, 1977 wurde er als Pausenhalle überdacht. Die Häuser sind Kulturgut von nationaler Bedeutung.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Untere Altstadt, alle Adressen (Liste ohne Einzelbeschreibung) · Wikipedia (de): Fischersche Posthäuser · Historisches Lexikon der Schweiz: Fischer von Reichenbach, Beat · Wikidata: Q19362478
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