Haus Gerechtigkeitsgasse 44
Das Haus Gerechtigkeitsgasse 44 in der unteren Berner Altstadt liess Gabriel Manuel um 1775 bis 1780 neu bauen, an der Schwelle zum Klassizismus.

- Adresse
- Gerechtigkeitsgasse 44
- Baujahr
- um 1775–1780 (Hauptfront, nach Hofer)
- Stil
- Spätbarock (Louis XV) mit frühklassizistischen Teilen
- Bauherr
- Gabriel Manuel, Landvogt von Grandson
- Schutz
- Kulturgut von nationaler Bedeutung (A)
- Schutz
- Kulturgut von nationaler Bedeutung (KGS A), schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
Das Haus Nr. 44 steht auf der Nordseite der Gerechtigkeitsgasse, die der Kunsthistoriker Paul Hofer die Sonnseite nennt. Von der Gasse aus sieht man eine Sandsteinfront über einem Laubengeschoss, darüber zwei Hauptgeschosse und ein drittes Stockwerk, das fast wie eine Attika wirkt. Hinter dem Vorderhaus öffnet sich ein grosser Hof mit einem turmartigen Treppenhaus. Rückseitig schliesst ein Hinterhaus an der Postgasse an.
Bauherr war Gabriel Manuel, damals Landvogt von Grandson. Er erwarb das Grundstück laut Hofer 1767 und liess das Haus neu aufführen; Hofer datiert die Hauptfront auf etwa 1775 bis 1780. Ein Architekt ist nicht überliefert. Hofer stellt die Fassade nach Bauzeit, Gliederung und Einzelformen in die unmittelbare Nähe des Sinnerhauses, des Eckhauses an der Kreuzgasse, das Karl Ludwig Sinner 1767/68 errichten liess.
Stilistisch steht das Haus zwischen zwei Epochen. Portal, Türschloss, Marmorcheminées und Täfer folgen nach Hofers Beschreibung von 1959 dem Formenschatz des reifen Louis XV, also des späten Barocks. Treppenhaus und Hofgalerien dagegen gehören bereits zum Frühklassizismus. Im ersten und zweiten Stock zählte Hofer sechs signierte Kachelöfen aus der Werkstatt Gnehm, einer davon trägt die Jahreszahl 1771. Wie viel davon heute noch erhalten ist, liess sich nicht überprüfen.
Das Haus gehört zum Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung (Kategorie A) und liegt in der Berner Altstadt, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Beim Vorbeigehen lohnt ein Blick auf die Haustür: Hofer erwähnt dort einen Ringklopfer aus dem 17. Jahrhundert, also älter als die heutige Fassade.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Paul Hofer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern, Bd. II (Die Stadt Bern: Gesellschaftshäuser und Wohnbauten), 1959, S. 114–115 · Wikipedia (de): Liste der Kulturgüter in Bern/Innere Stadt (Ost), KGS 9194 · Wikidata: Q19362486 · Bauinventar der Stadt Bern: Untere Altstadt, alle Adressen (Übersicht, ohne Einzelbeschrieb)
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