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Kunst in Bern · Bauwerk

Neues Blatternspital, heute Pfrundhaus, auf der Waldau

Das Pfrundhaus an der Bolligenstrasse 127 auf der Waldau wurde 1756–1761 als Neues Blatternspital gebaut und beherbergt heute das Psychiatrie-Museum.

Neues Blatternspital, heute Pfrundhaus, auf der Waldau, Bern
Foto: Krol:k, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 · Quelle
Adresse
Bolligenstrasse 127
Baujahr
1756–1761
Architekt
Ludwig Emanuel Zehender, Werkmeister
Heute
Psychiatrie-Museum Bern (seit 1993)
Bauherr
Staat Bern
Schutz
schützenswert, Baugruppe Waldau
Schutz
schützenswert (Bauinventar)

Über den Bau

Auf der Waldau im Nordosten Berns liegt eine Gruppe alter Bauten, die auf das mittelalterliche Siechenhaus zurückgeht. 1491 wurde es vom Haspelgässchen auf das Breitfeld im Kirchspiel Bolligen verlegt; daneben entstanden eine Kapelle, das Siechenschlössli von 1598/99 und ein Haus für Blatternkranke, also Menschen mit Pocken. Im 18. Jahrhundert reichten diese Bauten nicht mehr. Der Werkmeister Ludwig Emanuel Zehender, der hier schon das Kornhaus gebaut hatte, errichtete im Auftrag des Staates Bern von 1756 bis 1761 ein neues Siechen- und Blatternhaus: das Neue Blatternspital.

Es ist ein grosszügiger, ganz gemauerter Bau in Hufeisenform mit zwei Geschossen unter einem geknickten Walmdach. Weil das Gelände nach Norden abfällt, zeigt sich dort ein hoher Sockel aus Sandstein. Ecklisenen tragen das umlaufende Kranzgesims, und die Fenster sitzen rundum in regelmässigen Abständen: unten rechteckig, oben mit Stichbögen. In der Mitte der elfachsigen Hauptfront öffnet sich ein Sandsteinportal mit Stichbogen und einer nach oben geschwungenen Verdachung. Ein Detail, das man nicht übersehen sollte, sind die Konsolen mit Rocaille-Schmuck von 1756 aus der Werkstatt Funk, die nie überarbeitet wurden.

Nordwestlich schliesst eine Mauer aus grossen Sandsteinquadern einen rechteckigen Hof ein, in dessen Ecke ein kleines gemauertes Gartenhaus mit Walmdach steht (Nummer 127A). 1762 bis 1764 gaben zwei Wirtschaftsgebäude nach Plänen von Niklaus Sprüngli dem Hof zwischen Siechenschlössli und Blatternspital eine fast geschlossene Form. Ein Ratsbeschluss von 1765 vereinigte Siechen- und Tollhaus zum sogenannten Ausserkrankenhaus. Aus dem Tollhaus von 1749 ging später die psychiatrische Anstalt Waldau hervor, deren grossen Neubau Gottlieb Hebler 1850 bis 1855 errichtete.

1989 begannen die Restaurierung und der Gesamtumbau des Hauses. Seit 1993 befindet sich darin das Psychiatrie-Museum Bern, das das Gebäude „Pfründerhaus“ nennt. Die Idee zu einer Sammlung geht auf das Jahr 1914 zurück, als der Psychiater Walter Morgenthaler, der Entdecker Adolf Wölflis, Material zur Geschichte der Psychiatrie zusammentrug. Das Haus ist als schützenswert eingestuft und gehört zur Baugruppe Waldau.

Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Bolligenstrasse 127, 127A · Bauinventar der Stadt Bern: Baugruppe Waldau · Bauinventar der Stadt Bern: Quartiergeschichte Allmend-Murifeld · Verband der Museen der Schweiz: Psychiatrie-Museum · Wikipedia (de): Gottlieb Hebler · Wikidata: Q106684718

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