Kapelle Waldau an der Bolligenstrasse
Die Kapelle Waldau an der Bolligenstrasse 131 in Bern wurde 1491–1501 für das Siechenhaus der Stadt gebaut und 1683 zu einem barocken Betsaal umgestaltet.

- Adresse
- Bolligenstrasse 131
- Baujahr
- 1491–1501, Umbau 1683
- Stil
- spätgotischer Kern, Betsaal des Hochbarocks
- Bauherrschaft
- Siechenhausgut
- Schutz
- schützenswert, Baugruppe Waldau
- Schutz
- schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
An der alten Bolligenstrasse, am Rand des Waldau-Areals, steht ein schlichter, langgestreckter Saal mit Dachreiter über der Eingangsseite. Er ist die Kapelle des früheren Siechenhauses, also der Pflegeanstalt für Aussätzige, die Bern 1491 an den damaligen Stadtrand ins Breitfeld im Kirchspiel Bolligen verlegte. Im selben Jahr begann man mit dem Bau der Kapelle, 1501 war sie sicher vollendet. Woher das Siechenhaus kam, geben die Quellen unterschiedlich an: Das Bauinventar nennt das Haspelgässchen, die Wikipedia den Aarehang beim Aargauerstalden.
Ihr heutiges Aussehen erhielt die Kapelle 1683, als man den Chor abbrach, das Schiff verlängerte und umbaute. Seither ist sie ein rechteckiger Betsaal des Hochbarocks. Am Sockel lässt sich die Grösse des spätgotischen Schiffs noch ablesen, und an der Nordwestseite haben sich der Spitzbogeneingang und ein Fenster mit gekehlter Rahmung erhalten. Auf jeder Längsseite öffnen sich drei hohe Rundbogenfenster; auf der Südostseite sind ihre Stürze mit Blattwerk bemalt. Über dem Seitenportal ist eine Sonnenuhr aufgemalt, und vor der Eingangsfront steht eine zweistöckige, grau bemalte Holzlaube mit flachen Bögen im Obergeschoss.
Im Innern ist laut Bauinventar die hölzerne Tonnendecke grau in grau bemalt. Auf der Empore steht eine Orgel mit dreitürmigem Gehäuse, die Friedrich Rihs 1845 für die Kirche Walperswil gebaut hatte. Den Dachreiter beschreibt das Bauinventar als sechseckig, das Bundesinventar ISOS als achteckig. Restauriert wurde die Kapelle 1972/73; das ISOS nennt zusätzlich eine Renovation von 1992.
Um die Kapelle wuchs ein ganzer Komplex: 1598/99 erhielt der Siechenmeister das Siechenschlössli, 1765 wurden Siechen- und Tollhaus zum Ausserkrankenhaus vereinigt, und 1851–55 liess die Stadt gleich daneben die Irrenanstalt Waldau nach Plänen von Gottfried Hebler errichten, aus der später die Psychiatrische Universitätsklinik hervorging. Die Kapelle ist das einzige erhaltene Gebäude des Siechenhauses aus dem 15. Jahrhundert. Sie ist schützenswert und gehört zur Baugruppe Waldau. Suchen Sie an der Längsseite die aufgemalte Sonnenuhr.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Bolligenstrasse 131 · Bauinventar der Stadt Bern: Baugruppe Waldau · ISOS Bundesinventar: Waldau, Gemeinde Bern · Wikipedia (de): Schloss Waldau · Wikidata: Q106686074
Bauten in der Nähe
Siechenschlössli in der Waldau20 mWasch- und Ofenhaus an der Bolligenstrasse 133a40 mKurhaus des Ausserkrankenhauses an der Bolligenstrasse 13550 mNeues Blatternspital, heute Pfrundhaus, auf der Waldau80 mTollhaus (heute Althaus) in der Waldau250 mVerkehrte WeltKunstwerk · 890 mSchauen was Passiert – Sieben Situationen im Jahr, in welchen der Turmschatten in die Markierungen fälltKunstwerk · 1120 mohne Titel (Fabeltier)Kunstwerk · 1280 mEinstufung und Adresse: Bauinventar © Amt für Kultur des Kantons Bern · Objektblatt (PDF) · Wikidata. Fehler gefunden? Schreib an hallo@uebrig.ch.