Kurhaus des Ausserkrankenhauses an der Bolligenstrasse 135
Das Kurhaus an der Bolligenstrasse 135 in der Waldau geht auf das Blatternhaus von 1598/99 zurück und wurde im 18. und 19. Jahrhundert aufgestockt.

- Adresse
- Bolligenstrasse 135, Bolligenstrasse 135a
- Baujahr
- 1598/99 (Bauinventar) bzw. 1601 (ISOS); aufgestockt 1784 und 1831–34
- Architekt
- unbekannt; Trakt 135A nach Plänen von Niklaus Sprüngli (1762–64)
- Stil
- Spätgotik, spätbarock aufgestockt
- Heute
- Teil der Baugruppe Waldau
- Schutz
- schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
Lange bevor die psychiatrische Klinik Waldau entstand, lag hier am Rand des Breitfelds bei Bern eine Gruppe von Krankenhäusern ausserhalb der Stadt. 1491 verlegte Bern sein Siechenhaus für Leprakranke vom Haspelgässchen hierher, und bald folgten weitere Bauten. Der grosse Rechteckbau an der Bolligenstrasse 135 ist einer der ältesten davon. Heute trägt er den Namen Kurhaus.
Sein Kern ist das Haus, das die Blatternkranken Ende des 16. Jahrhunderts erhielten; mit „Blattern“ meinte man damals Haut- und Geschlechtskrankheiten wie die Syphilis. Die Quellen datieren den Beginn unterschiedlich: Das Bauinventar der Stadt nennt 1598/99 und beschreibt einen eingeschossigen Bau, das Ortsbildinventar ISOS berichtet, die Stadt habe das Blatternspital 1601 hierher verlegt, und lässt offen, ob das damals eröffnete zweistöckige Haus ein Umbau oder ein Neubau war. Wer es baute, ist nicht bekannt.
Was man heute sieht, ist in Schichten gewachsen. Das Erdgeschoss mit spätgotischen gekoppelten Fenstern und rundbogigen Portalen entspricht noch weitgehend dem Bau des späten 16. Jahrhunderts. 1761 bis 1764 wurde das Innere zum „Curhaus“ umgebaut, 1784 folgte ein erstes, 1831 bis 1834 ein zweites zusätzliches Geschoss; das ISOS erwähnt nur die Aufstockung von 1834. Die erste Aufstockung übernimmt die Gliederung des Erdgeschosses in einfacheren Formen, das oberste Geschoss ist ein verputzter Fachwerkbau, der leicht zurückspringt. Darüber liegt ein Walmdach.
Rechtwinklig schliesst an der Südwestseite ein langer, niedriger Wirtschaftstrakt an, die Nummer 135A. Er entstand 1762 bis 1764 nach Plänen von Niklaus Sprüngli, zusammen mit einem zweiten Trakt beim benachbarten Siechenschlössli. Erst dadurch erhielt der Hof zwischen den Gebäuden seine fast geschlossene Form. 1765 wurden Siechenhaus, Blatternhaus und Tollhaus zum „Ausserkrankenhaus“ vereinigt, dem dritten städtischen Krankenhaus neben Burger- und Inselspital. 1888 übernahm der Kanton auch diese Anlage, vier Jahre nach der Waldau. Im Hof mit der Linde lässt sich gut ablesen, wie das alte Ausserkrankenhaus zusammengewachsen ist.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Bolligenstrasse 135, 135A · Bauinventar der Stadt Bern: Baugruppe Waldau · ISOS Ortsbild Waldau (Bern), Nr. 1271 · Wikidata Q138985003
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