Siechenschlössli in der Waldau
Das Siechenschlössli an der Bolligenstrasse 133 in Bern wurde 1598/99 für den Leiter des Siechenhauses gebaut und hat einen spätgotischen Treppenturm.

- Adresse
- Bolligenstrasse 133
- Baujahr
- 1598–1599 (Umbau 1758)
- Architekt
- Werkmeister Peter und Hans zur Matten
- Stil
- Spätgotisch, Fenster von 1758
- Heute
- Teil der Baugruppe Waldau; Kulturgut von nationaler Bedeutung
- Schutz
- Kulturgut von nationaler Bedeutung (KGS A), schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
Auf dem Gelände der Waldau im Nordosten der Stadt steht zwischen Klinikbauten ein dreigeschossiges Haus mit steilem Dach und einem schlanken, viereckigen Treppenturm. Es ist der älteste Bau der ganzen Gruppe. Sein Ursprung liegt in der Pflege der Kranken, die man aus der Stadt fernhielt: Nach 1491 verlegte Bern sein Siechenhaus, das vor allem Leprakranke aufnahm, aus der Nähe des östlichen Stadtausgangs auf das Breitfeld, das damals zur Kirchgemeinde Bolligen gehörte. Bis 1501 entstand dort auch eine neue Kapelle.
1598 und 1599 bauten die Werkmeister Peter und Hans zur Matten das Wohnhaus für den Siechenmeister, den Leiter der Anstalt. Die beiden waren Prismeller, Walser aus der Grafschaft Brysmäl im Piemont, wie die meisten Steinhauer und Bauleute im damaligen Bern. Eine Steintafel neben dem Eingang hält die Bauherren in gotischen Grossbuchstaben fest; darunter sind die Jahre späterer Renovationen aufgemalt.
Der Treppenturm an der Südwestseite zeigt noch weitgehend den Zustand der Bauzeit, mit kleinen gekehlten Fenstern und einem spitzen Helm. Er gilt als ältester erhaltener spätgotischer Treppenturm ausserhalb der Stadt. Die Fenster des Hauptbaus stammen dagegen aus dem Umbau von 1758, ebenso die Beschläge der Haustür. Ungewöhnlich ist die Stirnseite im Nordwesten: Im Erdgeschoss öffnen sich drei Rundbogen zwischen schlanken Strebepfeilern, wie bei den Lauben der Altstadt. Die Gewölbe dahinter sind mit Friesen und Arabesken bemalt.
Ab 1599 kam in der Nähe das Blatternhaus hinzu, und die beiden Anstalten wurden später zusammengelegt; ab 1765 hiess die Anlage Ausser Krankenhaus. 1809 ging das Areal an die Gemeinde Bern, und nach 1891 übernahm die psychiatrische Klinik Waldau die Gebäude. Bis 1966 wohnte im Siechenschlössli der Pfarrer der Waldau. 1979 und 1980 wurde das Haus restauriert. Es ist ein Kulturgut von nationaler Bedeutung.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Bolligenstrasse 133 · Wikipedia (de): Schloss Waldau (Bern) · Swiss Castles: Schloss Waldau (Auszug aus dem Kunstführer, Georges Herzog) · Wikidata: Q2541082
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