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Kunst in Bern · Bauwerk

Ehemalige Schokoladefabrik Lindt an der Wasserwerkgasse 2

Das Haus an der Wasserwerkgasse 2 in der Berner Matte war die Schokoladefabrik von Rudolf Lindt und wurde 1932–34 zu einem Wohnhaus umgebaut.

Ehemalige Schokoladefabrik Lindt an der Wasserwerkgasse 2, Bern
Foto: Alex Bignell, Wikimedia Commons, CC BY 3.0 · Quelle
Adresse
Wasserwerkgasse 2b
Baujahr
wohl 1879 (Bauinventar); ab 1878 Sitz der Firma (Baugruppe Matte)
Architekt
unbekannt; Umbau 1932–34 Arnold Itten, Thun
Heute
Wohnhaus (seit dem Umbau 1932–34)
Bauherrschaft
Rudolf Lindt, Schokoladenfabrikant
Schutz
schützenswert, Baugruppe Matte
Schutz
schützenswert (Bauinventar)

Über den Bau

Am unteren Ende der Wasserwerkgasse, wo sie nahe der Nydeggbrücke in die Gerberngasse mündet, steht ein schlichtes Wohnhaus mit grossen Fenstern an den Treppenhäusern. An der Fassade ist eine verblasste Werbeschrift in geschwungenen Buchstaben der Belle Époque erhalten, die an die Zeit erinnert, als hier Schokolade hergestellt wurde. Ein Zeitungsbericht von 2022 gibt die lesbaren Buchstaben mit „Fabrique de Chocolat W. Lin…“ wieder.

Der Berner Rudolf Lindt (1855–1909), der sich Rodolphe nannte, lernte von 1873 bis 1875 beim Schokoladenhersteller Kohler in Lausanne. 1879 wollte er mit seinem früheren Lehrmeister Charles-Amédée Kohler eine Fabrik in der Matte gründen; als Kohler ausstieg, gründete er die Firma allein. Er rührte die Masse in einer selbst gebauten Längsreibemaschine mit muschelförmigem Trog, der Konche, und gab reine Kakaobutter hinzu. So liess sich die Schokolade in Formen giessen und schmolz zart. Bauakten zum Fabrikbau gibt es nicht; die städtische Denkmalpflege hält es aber für wahrscheinlich, dass das Conchieren in diesem Haus entwickelt wurde. Das Inventar datiert den Bau auf wohl 1879, der Text zur Baugruppe Matte nennt das Haus ab 1878 als Sitz der Firma, und alte Adressbücher führen laut dem Zeitungsbericht eine Firma Lindt-Kohler an der Wasserwerkgasse 20.

1899 übernahm die Chocolat Sprüngli AG in Zürich Lindts Betrieb und das Verfahren; Lindt führte die Berner Fabrik laut Inventar bis 1905 weiter. Nach dem Zeitungsbericht gründeten ehemalige Mitarbeiter und Verwandte später in der Nähe die Konkurrenzfirma „A. W. Lindt“, die nach langen Prozessen 1928 in Konkurs ging, und Lindt & Sprüngli produzierte bis 1932 in der Matte. Wie der Schriftzug mit diesen Firmen zusammenhängt, sagen die Quellen nicht genau.

Von 1932 bis 1934 baute der Thuner Architekt Arnold Itten die Fabrik für die Baugesellschaft Aarehof zu einem Haus mit Kleinwohnungen um, eine für diese Zeit sehr frühe Umnutzung. Zum selben Projekt gehörten die Verlängerung der Wasserwerkgasse bis zur Gerberngasse, wofür das Aareufer aufgeschüttet wurde, sowie die Wohnhäuser Gerberngasse 7–9A. Im hinteren Hof steht ein kleiner Brunnen in expressionistischen Formen. Das Gebäude ist schützenswert und gehört zur Baugruppe Matte; die Werbeschrift bezeichnet die Denkmalpflege als industriegeschichtliches Denkmal. Von der Nydeggbrücke aus ist sie gut zu sehen.

Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Wasserwerkgasse 2, 2B · Bauinventar der Stadt Bern: Baugruppe Matte · Historisches Lexikon der Schweiz: Lindt, Rudolf · Wikipedia (en): Rodolphe Lindt · Plattform J: Süsse Geschichte (10. Dezember 2022) · Wikidata: Q139677426

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Wasserwerkgasse 2b

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