Dorfplatz Tscharnergut mit Glockenturm
Auf dem Dorfplatz der Siedlung Tscharnergut in Bern-Bethlehem steht ein 36 Meter hoher Glockenturm von 1964/65 mit 18 Glocken aus Bronze.

- Adresse
- Waldmannstrasse N.N., 3027 Bern
- Baujahr
- 1964–1965
- Architekt
- Entwurf Hans Hartmann (Grafiker), Architektengemeinschaft Tscharnergut
- Stil
- Stahlrohrkonstruktion mit Carillon
- Heute
- Wahrzeichen der Siedlung Tscharnergut
Über den Bau
Mitten in der Siedlung Tscharnergut, beim Ladenzentrum an der Waldmannstrasse, ragt ein Turm aus Stahlrohren in die Höhe. Waagrechte Streben steifen das schlanke Gerüst aus; im oberen Drittel hängt ein Carillon aus 18 Bronzeglocken. Ganz oben sitzen eine vergoldete Kugel und ein Stern von Bethlehem. Der Turm ist 36 Meter hoch und steht in einem flachen, sechseckigen Brunnenbecken mit Wasserspiel, dessen Rand aus Granitquadern besteht.
Die Idee hatte Ulyss Strasser, der mit seinem Büro Lienhard & Strasser zur Architektengemeinschaft Tscharnergut gehörte. Er war ein Enkel des Architekten Hendrik P. Berlage, seit seiner Kindheit mit den Niederlanden verbunden, und kannte die Glockenspiele, die dort oft an Rathäusern, Markthallen oder auf Plätzen hängen. Den Turm selbst entwarf 1964 der Berner Grafiker Hans Hartmann. Ausgeführt wurde er 1965 von Hans und Gret Reinhard mit der Firma Metallgewerbe Bern, die Glocken goss eine holländische Giesserei. Die beteiligten Architekten und Baufirmen schenkten das Glockenspiel 1965 den Bewohnerinnen und Bewohnern des neuen Quartiers.
Gesteuert wird das Carillon entweder über eine Lochbandrolle mit Zeitschaltuhr oder von Hand über eine Klaviatur; beide stehen in einem Raum im Ladenzentrum. 1975 revidierte ein Uhrmacher aus Bethlehem die Apparatur. Laut einem Bericht von Radio SRF aus dem Jahr 2013 erklang damals mehrmals täglich jeweils drei Minuten vor der vollen Stunde eine kurze Melodie, damit sie den Kirchenglocken nicht in die Quere kommt. Die Lieder wurden noch von Hand in das Lochband gestanzt, und SRF berichtete, das Glockenspiel solle zu seinem 50. Geburtstag 2015 digitalisiert werden.
Der Turm gilt seit jeher als Wahrzeichen des Tscharnerguts. 2001 wurden seine Stützenfüsse saniert. Das Bauinventar stuft ihn als schützenswert ein und hält das Glockenspiel für vermutlich das einzige seiner Art in der Schweiz; SRF zählte es zu den letzten mechanisch betriebenen Glockenspielen des Landes. Achten Sie beim Hinaufschauen auf den Stern an der Spitze.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Waldmannstrasse NN (Dorfplatz mit Glockenturm) · SRF: Ein Glockenspiel mit Seltenheitswert (1. 7. 2013) · Wikipedia (de): Tscharnergut · Wikidata: Q114220289
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