Siedlung Tscharnergut
Die Siedlung Tscharnergut in Bern-Bethlehem ist eine Grossüberbauung von 1958 bis 1965; ihre vier Scheibenhäuser stehen an der Fellerstrasse.

- Adresse
- Fellerstrasse 30, Fellerstrasse 40, Fellerstrasse 50, Fellerstrasse 56
- Baujahr
- Siedlung 1958–1965; Fellerstrasse 30, 40, 50 1958/59, Nr. 56 1960
- Architekt
- Architektengemeinschaft Tscharnergut (Lienhard & Strasser, Hans und Gret Reinhard, Eduard Helfer, Walter Kormann, Ernst Indermühle)
- Stil
- Nachkriegsmoderne
- Heute
- Wohnsiedlung; Scheibenhäuser im Bauinventar als schützenswert eingestuft
- Schutz
- Kulturgut von regionaler Bedeutung (KGS B), schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
Im Westen Berns, zwischen Bethlehem und Bümpliz, ragen fünf zwanziggeschossige Hochhäuser aus einer weiten Grünfläche. Rechtwinklig dazu stehen acht achtgeschossige Scheibenhäuser, im Süden schliessen niedrigere Wohnblöcke und Reihenhäuser die Siedlung ab. Autos bleiben draussen: Ein Fussweg von West nach Ost verbindet Wiesen, Spielplätze und einen Schlittelhügel, der aus dem Aushub der Baugruben aufgeschüttet wurde.
Das Gelände war bis 1949 ein Landgut der Patrizierfamilie von Tscharner; dann kaufte es die Stadt, um der Wohnungsnot der Nachkriegsjahre zu begegnen. Den Wettbewerb von 1955 gewannen die Architekten Hans-Rudolf Lienhard und Ulyss Strasser. Für die Ausführung schlossen sie sich mit Hans und Gret Reinhard, Eduard Helfer, Walter Kormann und Ernst Indermühle zu einer Architektengemeinschaft zusammen. Mit Schule, Kindergärten, Läden und Alterswohnungen folgte das Tscharnergut der Idee der Trabantenstadt, wie sie die Internationale Bauausstellung 1957 in Berlin geprägt hatte. Ende der 1950er-Jahre war es das grösste Wohnbauprojekt der Schweiz.
Vier der Scheibenhäuser stehen an der Fellerstrasse: die Nummern 30, 40 und 50 von 1958/59 und die Nummer 56 von 1960. Sie folgen einem gemeinsamen Plan, sind aber unterschiedlich lang. Jedes besteht aus einem langen Trakt, dessen Wohnungen über offene Laubengänge erschlossen werden, und einem verputzten Kopfbau im Süden. Im Kopfbau liegen pro Geschoss zwei Viereinhalbzimmerwohnungen mit Loggien nach Süden, im Laubengangtrakt drei bis fünf Paare von Dreieinhalbzimmerwohnungen. Sichtbeton und vorgehängte Eternitplatten an den Brüstungen prägen die Fassaden, die Nordseite ist eine geschlossene Wand.
Achten Sie auf das Zusammenspiel der Teile: Der Laubengangtrakt wirkt durch seine Bänder waagrecht, der Kopfbau mit dem schmalen Fensterband seines Treppenhauses senkrecht. Ein schlanker Lift- und Treppenturm an der Ostseite hält beide im Gleichgewicht. Die Denkmalpflege sieht in den Bauten bereits den nüchternen Stil der 1960er-Jahre angelegt.
Das Tscharnergut ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder mit dem höchsten Erhaltungsziel verzeichnet, die Scheibenhäuser gelten im städtischen Bauinventar als schützenswert. 2020 erhielt die Eigentümerin, eine Baugenossenschaft, eine Bewilligung, das Haus Fellerstrasse 30 abzubrechen und neu zu bauen. Stadt und Heimatschutz erhoben Beschwerde, und im Mai 2021 hob die kantonale Bau- und Verkehrsdirektion die Bewilligung auf: Eine Gesamtsanierung sei wirtschaftlich tragbar, der Denkmalwert der Siedlung aussergewöhnlich hoch.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Fellerstrasse 30, 40, 50, 56 · Wikipedia (de): Tscharnergut · immobilienbusiness.ch: Kanton verbietet Abbruch im Tscharnergut (6. Mai 2021) · Wikidata: Q29651727
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