Lichtspiel / Kinemathek Bern in der ehemaligen Ryff-Fabrik
Das Lichtspiel, die Kinemathek Bern, hat seit 2012 seinen Sitz in der ehemaligen Ryff-Fabrik an der Sandrainstrasse 3 im Marzili.

- Adresse
- Sandrainstrasse 3
- Baujahr
- 1890, 1895, 1909, 1914 (Fabrik); Lichtspiel seit 2012 im Haus
- Architekt
- Lindt & Hünerwadel; J. Ryff; Horace Ed. Davinet und Friedrich Studer (je nach Etappe)
- Stil
- Historismus mit Jugendstildetails, früher Eisenbeton
- Heute
- Filmhaus Bern mit dem Lichtspiel (Kinemathek, Kino und Museum)
- Schutz
- Kulturgut von nationaler Bedeutung (KGS A), schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
An der Sandrainstrasse im Marzili steht eine Fabrikanlage aus Sichtbackstein, die zwischen 1890 und 1914 in mehreren Etappen für die Firma Wiesmann & Ryff entstand. Kern ist ein dreigeschossiger Bau mit vortretenden Mittelteilen an Süd- und Nordfassade; eine erste Erweiterung im Osten übernimmt seine Formen. Der etwas jüngere Westtrakt prägt heute das Bild: Hier wurden Decken aus Eisenbeton verwendet, und die durchlaufenden Betondecken bilden die Stürze der rechteckigen Fenster, mit einer wellenartig geriffelten Oberfläche. In den Balkon- und Treppengeländern zeigt sich Jugendstil.
Das Bauinventar vergleicht diesen Westtrakt mit der damals wegweisenden europäischen Industriearchitektur aus dem Umkreis des Pariser Architekten Henri Sauvage und misst ihm unter den Fabrikbauten der Schweiz eine besondere Stellung bei. Als Architekten nennt es für die einzelnen Etappen Lindt & Hünerwadel, J. Ryff sowie Horace Ed. Davinet und Friedrich Studer. Lange wurde ein Abbruch erwogen, ab 1983 begann jedoch die Renovation. Seit den 1990er-Jahren nutzen unter anderem eine Schauspielschule, eine Schreinerei und Ateliers die Räume.
Seit 2012 ist hier auch das Lichtspiel zu Hause. Es entstand im Jahr 2000, als ein Verein den bedrohten Nachlass von Walter A. Ritschard übernahm, einem Berner Kinotechniker, der 1998 gestorben war, mit über 100 Projektoren und 500 Filmrollen. Daraus wurden ein Filmarchiv, ein Kino und ein Museum. Am 9. September 2012 schleppten zahlreiche Freiwillige die meisten alten Projektoren eigenhändig ins neue Haus, wo das Lichtspiel Teil des Filmhauses Bern wurde. Mitglied der internationalen Vereinigung der Filmarchive FIAF ist es seit 2006 laut deutscher, seit 2005 laut englischer Wikipedia.
Das Archiv umfasst heute rund 30 000 Filmrollen, vor allem regionale Amateur-, Dokumentar- und Unterrichtsfilme. Seit der Eröffnung zeigt das Lichtspiel jeden Sonntagabend zwei Rollen mit kurzen Filmen aus der Sammlung. Hinter dem Lichtspiel stehen rund 700 Vereinsmitglieder und viele Freiwillige. 2011 erhielt es den Kulturpreis der Burgergemeinde Bern, 2016 jenen des Kantons Bern.
Von der Strasse aus lohnt ein Blick auf die Fensterstürze des Westtrakts: Ihre geriffelte Betonoberfläche zeigt, wie früh hier mit dem neuen Material gebaut wurde.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Sandrainstrasse 3, 3A, 3C–3E · Wikipedia (de): Lichtspiel / Kinemathek Bern · Wikipedia (en): Kinemathek Bern · Wikidata: Q681911
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