Villa an der Sulgeneckstrasse 44
Die schlossartige Backsteinvilla an der Sulgeneckstrasse 44 baute Friedrich Ludwig von Rütte 1894/95; seit 1907 gehört sie dem französischen Staat.

- Adresse
- Sulgeneckstrasse 44, Sulgeneckstrasse 44a
- Baujahr
- 1894–1895
- Architekt
- Friedrich Ludwig von Rütte (Louis-Frédéric de Rutté)
- Stil
- Historismus nach französischer Renaissance
- Bauherr
- A. von Tscharner
- Eigentum
- seit 1907 Französische Republik (Botschaft bis 1971, 2018 Residenz)
- Nebenbau
- Ökonomiegebäude Nr. 44A
- Schutz
- schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
Auf einem Geländesporn über dem Sulgenbach steht am Ende eines grossen Parks ein Bau, der eher an ein französisches Schloss als an eine Berner Villa erinnert: Sichtbackstein, kräftige Sandsteingliederungen und ein steiles, vielteiliges Schieferdach mit Türmen, Lukarnen und Gauben. Die Giebel tragen durchweg Vasen oder Firstaufsätze. Die städtische Denkmalpflege zählt das Haus zum Grossartigsten, was in Bern zur Zeit des Historismus gebaut wurde.
Die Villa entstand 1894/95 für A. von Tscharner. Architekt war Friedrich Ludwig von Rütte, im Bauinventar Louis-Frédéric de Rutté genannt. Der 1829 in Sutz geborene Architekt hatte in Karlsruhe studiert, in Paris und im Elsass gearbeitet und ab Mitte der 1850er Jahre ein eigenes Büro in Mülhausen geführt, bevor er nach dem Deutsch-Französischen Krieg nach Bern zog. Das Historische Lexikon der Schweiz rühmt seine historistische Villenarchitektur und nennt ausdrücklich die französische Botschaft in Bern.
Die Vorbilder sind französische Renaissanceschlösser, wie sie Androuet du Cerceau, Jean Bullant und Philibert de l’Orme bauten. Über einem hohen Sockel in Rustika erheben sich zwei Geschosse. Im Winkel zwischen Hauptflügel und Westtrakt springt ein mehrfach abgestufter Eingangsrisalit vor; davor steht eine Portalädikula auf zwei Säulenpaaren, die man über eine hufeisenförmige Treppe erreicht. Nahe der Zufahrt steht das gleichzeitig gebaute Ökonomiegebäude (Nr. 44A), ein dreiteiliger Putzbau mit Sandsteingliederungen.
Nach Angaben der französischen Botschaft gehört die Villa seit 1907 Frankreich; bis 1971 befand sich hier die Botschaft selbst, 2018 diente das Haus als Residenz. Zur Ausstattung gehört eine Reihe von Medaillonporträts der Familie Tscharner, die Frankreich ebenfalls erwarb. Im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder (ISOS) ist die Anlage mit dem Erhaltungsziel A vermerkt. Achten Sie, soweit vom öffentlichen Grund aus sichtbar, auf die hufeisenförmige Freitreppe vor dem Portal.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Sulgeneckstrasse 44, 44A · Historisches Lexikon der Schweiz: Rütte, Friedrich Ludwig von · Französische Botschaft in der Schweiz: Im Inneren der Residenz Frankreichs (2018, Wayback-Kopie) · Wikipedia (de): Liste der Kulturgüter in Bern/Mattenhof-Weissenbühl · Wikidata: Q127686751
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