Ehemaliges Ougspurgergut
Das ehemalige Ougspurgergut am Melchenbühlweg 26 ist ein Landsitz aus dem 18. Jahrhundert, in dem der Maler Albert Welti und Hermann Hesse lebten.

- Adresse
- Melchenbühlweg 26, Melchenbühlweg 26a
- Baujahr
- 2. Hälfte 18. Jahrhundert, im Kern vielleicht älter
- Architekt
- unbekannt
- Stil
- Berner Landsitz, Verbindung von Bauerngut und Campagne
- Heute
- Wohnhaus, im Bauinventar als schützenswert eingestuft
- Schutz
- schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
Auf einer Anhöhe über Wittigkofen und dem Melchenbühl, mit Blick bis zu den Alpen, steht ein langgestrecktes Haus unter einem einzigen mächtigen Dach. In der Mitte springt ein dreiachsiger Sandsteinbau mit Quergiebel nach Osten vor. Südlich schliesst der Wohnteil an: unten gemauert und verputzt, oben ein heute weiss verschindeltes Riegobergeschoss unter einem leicht asymmetrischen Ründidach. Im Norden folgt die Scheune mit sichtbarem Riegwerk und vier runden Öffnungen nebeneinander im Giebel.
Früher hiess das Gut „Grosse Matte“ oder „Hinteres Schosshaldengut“. Älteste Teile sind schon Anfang des 18. Jahrhunderts auf Plänen nachgewiesen, den ganzen Bau zeigt der Müller-Atlas von 1799; das Bauinventar datiert das Haus in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, im Kern vielleicht älter. Nach mehreren Besitzern aus Patrizierfamilien kaufte es 1836 Hauptmann Ludwig von Ougspurger, nach dem es heute benannt ist. Der Garten war immer wieder Schauplatz in Erzählungen von Rudolf von Tavel.
Anfang des 20. Jahrhunderts wohnte hier der Maler Albert Welti, der Ende 1907 für sein Wandbild im Ständeratssaal nach Bern gezogen war; Wikidata gibt für ihn 1907 bis 1912 an. Nach Weltis Tod im Juni 1912 zog Hermann Hesse im Spätsommer desselben Jahres mit seiner Familie in das alte Landhaus am Stadtrand, das zuvor sein Freund gemietet hatte. 1919 zog Hesse ins Tessin. Das städtische Bauinventar schreibt dagegen, der Dichter habe während des Zweiten Weltkriegs hier gewohnt; das lässt sich mit seiner Biografie nicht vereinbaren.
Vor der Südseite steht über die ganze Breite ein Säulengang; die ursprünglichen Gusseisensäulen wurden um 1935 durch dickere Betonsäulen ersetzt. Davor liegt ein Terrassengarten, an dessen Südende ein vieleckiger Pavillon mit toskanischen Säulen und geschweifter Haube steht. Laut Bauinventar ist es die einzige Anlage mit Säulengang und vorgelagertem Terrassengarten in der Gegend und eine gelungene Verbindung von Bauerngut und Campagne. 2009/10 wurde der Ökonomieteil zu Wohnungen ausgebaut. Das Haus ist im Bauinventar als schützenswert eingestuft.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Melchenbühlweg 26, 26A · Bauinventar der Stadt Bern: Baugruppe Ougspurgergut · Wikipedia (de): Hermann Hesse · Wikipedia (de): Albert Welti · Hermann Hesse Museum Montagnola: Chronik 1912–1919 · Wikidata: Q117460167
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