Landsitz Melchenbühl
Der Landsitz Melchenbühl im Osten von Bern ist ein Régencebau auf einer Hügelkuppe, mit Garten, Scheune und einer langen Geschichte als Stiftungsgut.

- Adresse
- Melchenbühlweg 156
- Baujahr
- um 1730–1735 (Bauinventar) bzw. Herrenstock 1692 mit Dachumbauten 1770er Jahre und nach 1800 (Lexikon)
- Stil
- Régence
- Heute
- laut Lexikon seit 1980 Terra vecchia (Wohn- und Arbeitsgemeinschaft); Kulturgut von regionaler Bedeutung
- Schutz
- Kulturgut von regionaler Bedeutung (KGS B), schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
Auf einer Hügelkuppe am Hang des Dentenbergs, am alten Weg von Bern ins Oberland, steht das Herrenhaus des Landguts Melchenbühl. Der breite, zweigeschossige Putzbau mit Gliederungen aus Sandstein trägt ein weit überstehendes Mansartdach mit Lukarnen auf allen Seiten. Die Längsseiten haben acht Fensterachsen, auf der Südwestseite treten die vier mittleren als Risalit vor. Die städtische Denkmalpflege sieht darin einen typischen Régencebau, dessen Wirkung von der klaren Ordnung und den gut abgewogenen Proportionen lebt.
Wann das heutige Haus entstand, wird unterschiedlich angegeben. Das Bauinventar nennt einen Neubau um 1730 bis 1735. Das Historisch-Topographische Lexikon der Stadt Bern dagegen datiert den Herrenstock auf 1692; in den 1770er Jahren sei ein neues Walmdach aufgesetzt und kurz nach 1800 zu einem Mansartdach umgebaut worden. Unbestritten sind die späteren Ergänzungen: 1915 kam an der Nordwestseite ein vieleckiger Erker dazu, 1928 eine Terrasse im Westen.
Der Besitz geht auf die Bauern Hans und Heinrich Krieg zurück, die um 1609 erwähnt sind. Danach gehörte er über zwei Jahrhunderte verschiedenen Berner Patrizierfamilien, unter ihnen die von Wattenwyl, Stettler und Manuel, die hier den Sommer verbrachten. 1855 kaufte der deutsche Kaufmann C. G. Müller das Gut; sein Schwiegersohn Jean Berset bewirtschaftete es selbst. 1898 vermachte Marie Berset-Müller das Gut mit einer Stiftung der Eidgenossenschaft; nach ihrem Willen sollten hier invalide und bedürftige Lehrerinnen ein Heim finden. Seit 1980 dient das Gut laut Lexikon unter dem Namen Terra vecchia als Ort zum Wohnen und Arbeiten für die Wiedereingliederung drogenabhängiger Menschen. Die grosse Scheune aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zeigt, dass die Landwirtschaft hier stets wichtig war.
Zur Anlage gehören eine Gartenmauer aus Sandsteinquadern, ein Gartenpavillon mit Säulen unter einem Satteldach und Reste eines geometrischen Gartens, dazu alte Kastanien, Linden und Ahorne. Nach dem Lexikon steckt im Namen das Melken: Auf dem kleinen Hügel molk man einst die Kühe, die frei auf der Weide liefen. Ein Detail zum Suchen: der Springbrunnen, der genau in der Achse des Herrenhauses liegt.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Melchenbühlweg 156 · Bauinventar der Stadt Bern: Baugruppe Landsitz Melchenbühl · Historisch-Topographisches Lexikon der Stadt Bern: Melchenbühl · Wikipedia (de): Liste der Kulturgüter in Bern/Kirchenfeld-Schosshalde (Nord) · Wikidata: Q29651702
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