Reformierte Matthäuskirche
Die reformierte Matthäuskirche an der Reichenbachstrasse 114 im Rossfeld ist eine zeltartige Kirche von Frey, Egger + Peterhans aus den 1960er-Jahren.

- Adresse
- Reichenbachstrasse 114
- Baujahr
- 1962–1965 (Bauinventar) bzw. 1961–1965 (Stadt Bern); Wettbewerb 1959
- Architekt
- Frey, Egger + Peterhans, Bern
- Stil
- Kirchenbau der 1960er-Jahre, Zeltform mit Raumfachwerk
- Heute
- Im Baurecht der Stadt Bern, Gottesdienste der Kirchgemeinde Matthäus; Umbau zum Kinderhaus Rossfeld geplant
- Schutz
- Kulturgut von regionaler Bedeutung (KGS B), schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
Die Kirche im Rossfeld auf der Engehalbinsel sieht aus wie ein grosses Zelt: Sie ist als Tetraeder über einem gleichseitigen Dreieck gebaut. Zwei Dachflächen sind mit anthrazitfarbenen Eternitplatten gedeckt, die dritte, nach Nordwesten gerichtete Chorwand ist steiler gestellt und durch keilförmige Lichtbänder abgesetzt. Ein Fensterband über einem umlaufenden Pflanzbeet bringt Licht von zwei Seiten in den Raum. Daneben steht der 30 Meter hohe Glockenturm aus Eisenbeton, dessen kantige Treppen zu einer Aussichtsplattform führen; das Bauinventar vergleicht ihn mit einer stilisierten Wirbelsäule.
Dem Bau ging ein Streit voraus. Die Burgergemeinde Bern, der das Land gehörte, wollte es nur für eine Kirche in traditioneller Bauweise verkaufen; auf Druck der Architektenverbände liess sie diese Bedingung fallen. Die Kirche steht an der Stelle des Pulverturms von 1738, der 1955 abgebrochen wurde, und ist teilweise in den Südwall der gallorömischen Siedlung auf der Engehalbinsel eingetieft. Weil man 1956 auf römische Ruinen stiess, wurde der Wettbewerb verschoben. 1959 ging der Sieg an das Team Willy Frey, Alois Egger, Werner Peterhans; 1959/60 wurde die Kirchgemeinde Matthäus gebildet. Gebaut wurde laut Bauinventar 1962 bis 1965, die Stadt nennt 1961 bis 1965.
Getragen werden die beiden schrägen Dachflächen von einem Raumfachwerk aus verschraubten Rohrstäben nach dem System „Mero“, das auf zehn punktförmigen Auflagern ruht; die Chorwand ist eine leicht geknickte Eisenbetonplatte. Das weitgehend original erhaltene Innere mit Granitboden, Kanzel aus Sichtbackstein und Möbeln und Decke aus Ulmenholz zählt das Bauinventar zu den besten Kirchenräumen der 1960er-Jahre im Kanton Bern. Ein Werk aus verzinktem Stahlband von Werner Witschi mit dem Titel „Te Deum laudamus“ kam 1970 hinzu.
Seit Januar 2019 hat die Stadt Bern das Ensemble mit Kirche, Turm, Kirchgemeindehaus und Pfarrhaus für 60 Jahre im Baurecht übernommen. Die Kirchgemeinde behält ein Nutzungsrecht für Gottesdienste, unter anderem an 26 Sonntagen im Jahr. 2023 beantragte der Gemeinderat einen Baukredit, um Kirchgemeindehaus und Pfarrhaus zum „Kinderhaus Rossfeld“ mit Basisstufe, Kita und Tagesbetreuung umzubauen; die künftige Nutzung der Kirche selbst wird noch geprüft.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Reichenbachstrasse 114 · Stadt Bern, Vortrag des Gemeinderats: Sanierung und Umbau zu Kinderhaus Rossfeld (22. November 2023) · Berner Zeitung, 17. April 2024 (PDF bei der BFH) · Wikidata: Q113682270
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