Engehalbinsel
Auf der Engehalbinsel in der Aareschlaufe im Norden Berns lagen eine keltische Grosssiedlung und eine römische Kleinstadt; Reste sind noch zu sehen.

- Adresse
- Engehalbinsel, 3004 Bern
- Baujahr
- Keltische Siedlung 3.–1. Jh. v. Chr.; römische Kleinstadt bis um 165–211 n. Chr. (HLS) bzw. 3. Jh. (Kanton)
- Stil
- Keltisches Oppidum, römischer Vicus
- Heute
- Wald- und Wohngebiet mit archäologischem Rundweg, Kulturgut von nationaler Bedeutung
- Schutz
- Kulturgut von nationaler Bedeutung (KGS A)
Über den Bau
Nördlich der Altstadt beschreibt die Aare eine weite Schlaufe und umfliesst die Engehalbinsel fast vollständig. Am südlichen Rand liegen Wohnquartiere wie Tiefenau und Felsenau, der grösste Teil ist Wald: im Norden der Rychebachwald, im Osten der Thormebodewald. Unter diesem Gelände liegen die Spuren der ältesten Stadt auf Berner Boden. Die Halbinsel ist als archäologische Stätte ein Kulturgut von nationaler Bedeutung und steht in der Obhut des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern.
Besiedelt war die Halbinsel nach dem Historischen Lexikon der Schweiz ab der mittleren Latènezeit, am stärksten vom 3. bis ins 2. Jahrhundert v. Chr. Wohl nach der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. sicherte man die grosse Siedlung mit Wällen, darunter eine Sperre an der schmalsten Stelle beim heutigen Bahnhof Felsenau. Der Kanton spricht von einem Oppidum der Helvetier mit einer Fläche von bis zu 140 Hektaren; vielleicht war es eine der zwölf Städte, die Caesar erwähnt. Schon 1849 kam beim Tiefenaugut ein Massenfund ans Licht, vor allem Schwerter, dazu Lanzenspitzen, Schildbuckel und Teile von Wagen. Ein beschriftetes Zinkblech, 1984 im Thormebodewald gefunden, nennt möglicherweise den Namen des Ortes: Brenodor.
Kurz vor der Zeitenwende entstand am selben Ort eine römische Kleinstadt, Brenodurum. Beidseits einer geraden Strasse, die bis zur Spitze der Halbinsel führte, standen Häuser mit Werkstätten, darunter Töpfereien, eine Bronzegiesserei und eine Schmiede. Im Süden lagen ein Gräberfeld mit über 160 Gräbern, ein kleines Amphitheater und ein Bezirk mit drei Tempeln, im Norden ein Bad. Wann der Ort verlassen wurde, wird unterschiedlich angegeben: Das Lexikon schliesst aus den Münzfunden auf die Zeit zwischen 165 und 211 n. Chr., der Kanton nennt allgemein das 3. Jahrhundert. Über dem östlichen Tempel stand später eine Wallfahrtskapelle des heiligen Ägidius, geweiht 1344 und 1532 abgebrochen.
Sichtbar sind heute vor allem die Mauern des kleinen Amphitheaters, die eine Fläche von etwa 27,5 auf 25,3 Meter umschliessen. Man entdeckte sie 1880 und hielt sie zunächst für ein Wasserreservoir. Daneben stand ein Pulverturm von 1738; erst als er 1955 dem Bau der Matthäuskirche weichen musste, wurde klar, wozu das römische Mauerwerk gedient hatte. Auch vom römischen Bad sind Reste erhalten, darunter die Fussbodenheizung. Ein archäologischer Rundweg verbindet die Fundstellen. Wer weiterwandern will, kann die Aare mit den kleinen Fähren nach Bremgarten oder zum Schloss Reichenbach überqueren.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Archäologischer Dienst des Kantons Bern: Bern, Engehalbinsel · Historisches Lexikon der Schweiz: Bern (Gemeinde), Ur- und Frühgeschichte, Römische Zeit · Historisches Lexikon der Schweiz: Oppidum · Wikipedia (de): Engehalbinsel · Wikidata: Q1341754
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