Tscharnerhaus am Münsterplatz
Das Tscharnerhaus am Münsterplatz 12 baute Albrecht Stürler 1733–35 für Beat Jakob Tscharner; mit ihm begann die barocke Erneuerung des Platzes.

- Adresse
- Münsterplatz 12
- Baujahr
- 1733–1735
- Architekt
- Albrecht Stürler (Bauleitung Johann Rudolf Hebler)
- Stil
- Spätbarock, Bauschmuck im Régence-Stil
- Bauherr
- Beat Jakob Tscharner
- Eigentum
- seit 1928 Kanton Bern
- Schutz
- Kulturgut von nationaler Bedeutung (KGS 657)
- Schutz
- Kulturgut von nationaler Bedeutung (KGS A), schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
Wer vor dem Münsterportal steht und sich umdreht, blickt auf die Westseite des Platzes. Dort ragt die Front des Tscharnerhauses deutlich vor das Nachbarhaus. Dieser Vorsprung ist älter als der Bau selbst: Als man um 1500 Häuser abriss, um vor dem Münster Platz zu schaffen, blieb ein Teil eines Doppelhauses stehen. Die dadurch entstandene behelfsmässige Platzwand ersetzte erst der Neubau der 1730er Jahre.
Bauherr war Ratsherr Beat Jakob Tscharner. Nach 1730 erwarb er das anstossende Haus an der Herrengasse, liess beide Häuser abbrechen und auf den zwei Grundstücken nach Plänen von Albrecht Stürler neu bauen; als Bauleiter ist Johann Rudolf Hebler überliefert. Die Jahrzahl 1735 im Giebelfeld nennt das Jahr der Vollendung.
Die Hauptfront hat vier Geschosse und sieben Fensterachsen. Die drei mittleren treten als flacher Risalit vor, die beiden oberen Geschosse fassen dort vier ionische Pilaster zusammen. Darüber sitzt ein Dreieckgiebel mit dem Tscharnerwappen, das zwei Greifen halten. Paul Hofer hebt hervor, dass die Girlanden, Portalkonsolen und das Giebelfeld das einzige reine Régence-Ensemble von Bedeutung in Bern bilden. Für Stürler war das Haus der erste Höhepunkt seines Schaffens; rund zehn Jahre später baute er gegenüber das Stift.
Fast 200 Jahre blieb das Haus in der Familie, wurde aber zeitweise vermietet: von 1848 bis 1857 diente es der Stadtverwaltung, um 1880 der britischen Gesandtschaft. In ihm wurde Elisabeth de Meuron, geborene von Tscharner, geboren. 1928 kaufte der Kanton Bern das Gebäude zusammen mit Münsterplatz 10, baute es schonend um und richtete Verwaltungsbüros ein. Es folgten eine Aussenrenovation 1955 und eine Innenrenovation mit Dachausbau 2001. Im Inneren sind Räume der Bauzeit erhalten, darunter der Tscharnersaal und ein Kachelofen von Peter Gnehm aus dem Jahr 1766.
Achten Sie beim Hinsehen auf die zwei Greifen im Giebel und auf die Fenster: Erdgeschoss und drittes Obergeschoss haben Stichbögen, die beiden Stockwerke dazwischen gerade Stürze.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Paul Hofer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern, Band II (1959), S. 305–309 · KGS-Inventar (BABS/GSK): Von Tscharner-Haus, KGS 657 (Wayback-Kopie) · Stadt Bern: Altstadtbeschriftung, Texte dreisprachig (Münsterplatz 12 und 3) · Wikipedia (de): Liste der Kulturgüter in Bern/Innere Stadt (Ost) · Wikidata: Q19362517 · Bauinventar der Stadt Bern: Untere Altstadt, alle Adressen (nur Liste)
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