Quartierhof
Der Quartierhof in der Berner Lorraine entstand 1861 bis 1863 als gemeinnütziger Wohnbau und ist einer der ältesten Bauten des Quartiers.

- Adresse
- Quartierhof 1, Quartierhof 2, Quartierhof 3, Quartierhof 4 …
- Baujahr
- 1861–1863; Nr. 8A 1892
- Architekt
- Friedrich Salvisberg, Bern
- Heute
- Wohnungen in Selbstverwaltung einer Genossenschaft, Bundesschutz seit 1997
- Bauherr
- Baugesellschaft des Lorraine-Quartiers
- Schutz
- schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
An der Quartiergasse in der Lorraine umschliessen zwei schlichte, dreigeschossige Häuserzeilen mit Satteldächern einen begrünten Hof; im Osten verbindet sie ein Querbau. Zusammen bilden neun einzelne Häuser einen U-förmigen Komplex, an der Süd- und Nordseite liegen Nutzgärten. Unscheinbar wirkt das Ensemble, doch es gehört zu den ältesten Bauten des Quartiers und ist ein seltener Zeuge des sozialen Wohnungsbaus im Bern des 19. Jahrhunderts.
Bauherrin war eine Baugesellschaft für das neue Lorraine-Quartier; sie errichtete den Quartierhof 1861 bis 1863, um gute und zugleich günstige Wohnungen anzubieten. Zu ihr gehörten angesehene Berner, darunter der Architekt Friedrich Salvisberg, später Kantonsbaumeister, und Jakob Stämpfli, der spätere Bundesrat. Die Gesellschaft verfolgte einen grossen Plan für die östliche Lorraine und wollte Wohnraum für alle Schichten schaffen; verwirklicht wurde davon nur der Quartierhof, gedacht für die Arbeiterschaft. Zuerst entstand 1861 die Südzeile, 1863 folgten die Nordzeile und der Verbindungsbau. 1892 kam noch das Backsteinhaus Nummer 8A dazu.
Ursprünglich reichte die Anlage vom Dammweg bis an die Lorrainestrasse. In den 1970er-Jahren, laut Wikipedia 1971, wurden rund zwei Drittel abgebrochen. Den verbliebenen Teil hatten die PTT als Abbruchobjekt gekauft. Nach langem politischem Ringen kam die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission in einem Gutachten für den Bundesrat zum Schluss, dass auch der Rest schützenswert ist. Seit 1997 steht der Quartierhof unter Bundesschutz.
Die Stadt Bern übernahm die Häuser und gab sie im Baurecht an die Mieterinnen und Mieter weiter, die sich zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen hatten und die Anlage seit 1996 selbst verwalten. Von 1996 bis 1999 folgte eine zurückhaltende Renovation: Alle Fenster wurden ersetzt, eine Zentralheizung trat an die Stelle der Einzelöfen, von denen einige als Zeugen stehen blieben, und im Erdgeschoss entstand ein Gemeinschaftsraum mit Küche. Heute gibt es 34 meist kleine Wohnungen und seit 1987 einen gemeinschaftlich geführten Bioladen. Wer in den Hof blickt, bekommt noch immer einen guten Eindruck von dieser einfachen Mietshausarchitektur.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Quartierhof 1–5, 2–8, 2A, 8A · Emanuel Fivian: Der Quartierhof, in: Denkmalpflege in der Stadt Bern 1997–2000, Berner Zeitschrift für Geschichte 63 (2001), S. 181–183 · Wikipedia (de): Quartierhof (Bern) · Wikidata: Q134931933
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