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Kunst in Bern · Bauwerk

Unteres Mayhaus

Das Untere Mayhaus an der Münstergasse 6 in Bern trägt eine reich geschmückte Sandsteinfront von 1608/09, ein Hauptwerk des Manierismus in der Stadt.

Unteres Mayhaus, Bern
Foto: WillYs Fotowerkstatt, Wikimedia Commons, CC BY 3.0 · Quelle
Adresse
Münstergasse 6
Baujahr
1559, neue Strassenfront 1608/09
Architekt
Andres Widmer (Fassade)
Stil
Manierismus (Spätrenaissance)
Heute
Wohn- und Geschäftshaus in der Altstadt, Kulturgut von nationaler Bedeutung
Schutz
Kulturgut von nationaler Bedeutung (KGS A), schützenswert (Bauinventar)

Über den Bau

Wer die Münstergasse vom Münsterplatz her entlanggeht, sieht an der Nummer 6 eine Fassade, die dichter verziert ist als die meisten ihrer Nachbarn. Fachleute zählen sie zu den wichtigsten Zeugnissen des Manierismus in Bern, also jener Spätphase der Renaissance, die mit üppigem Ornament, Masken und Rollwerk arbeitete. Das Haus steht als Kulturgut von nationaler Bedeutung unter Schutz.

Der Kern ist älter als die Schaufront. Das Gebäude entstand 1559 als hinterer Teil des Hauses an der Kramgasse 7. Rund fünfzig Jahre später, 1608/09, liess Barthlome May dem Bau durch den Bildhauer und Steinmetz Andres Widmer eine neue Front zur Münstergasse geben. Widmer legte seine Reliefs gleichsam wie eine Folie vor die bestehende spätgotische Fensterreihe von 1559, ohne den älteren Bau ganz zu ersetzen.

Im Erdgeschoss öffnet sich eine Laube mit flachem Korbbogen und gequaderten Steinen. Am Schlussstein sitzt eine Kartusche mit einem Hausspruch, der Jahreszahl 1609 und einem Monogramm; am linken Pfeiler ist ein Rest des älteren Baudatums erhalten. Darüber folgen im ersten Stock Fenstergruppen mit Grotesken und Dreiecksgiebeln, in denen die Wappen des Bauherrn und seiner Frau Elisabeth von Wattenwyl stehen. Im zweiten Stock krönen Segmentgiebel mit Masken die Fenster, im dritten rahmt flaches Beschlagwerk die Kreuzstockfenster.

Die Hofseite zeigt noch die Gestalt von 1559, mit verzierten Fenstergruppen und einem runden Treppenturm, der seit dem 18. Jahrhundert eine offene Aufzugsründi trägt, einen gerundeten Abschluss über der Öffnung für einen Warenaufzug. Die Strassenfassade wurde 1988 substanzschonend restauriert, die Hoffront 1990 neu gefasst. Ein Detail für den Blick von der Gasse: die beiden Wappen über den Fenstern des ersten Stocks, die das Ehepaar May und von Wattenwyl bis heute an der Fassade verewigen.

Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Untere Altstadt, alle Adressen (Liste, Münstergasse 6 schützenswert) · KGS-Inventar / GSK Kunstführer: Unteres May-Haus (KGS 00734), über Web Archive · Berchtold Weber: Historisch-Topographisches Lexikon der Stadt Bern, „May-Haus (unteres)“ (Burgerbibliothek) · Wikidata: Unteres Mayhaus (Q19362521)

Lage in Bern
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