Burgerhaus an der Amthausgasse
Das Burgerhaus an der Amthausgasse 5 ist ein Stadtpalais von 1763 bis 1765 mit dem einzigen offenen Garten der oberen Berner Altstadt.

- Adresse
- Amthausgasse 5
- Baujahr
- um 1763–1765
- Architekt
- Niklaus Sprüngli (laut GSK); Bauinventar: Sprüngli oder Erasmus Ritter, zugeschrieben
- Stil
- Spätbarock, laubenlose Palaisfront
- Heute
- Kulturgut von nationaler Bedeutung; ab 1949 Sitz der Burgerverwaltung
- Schutz
- Kulturgut von nationaler Bedeutung (KGS A), schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
An der Amthausgasse fehlt vor diesem Haus, was fast jede Altstadtfassade in Bern hat: die Lauben. Die Front mit sieben Fensterachsen wird von einem kräftig vortretenden Mittelteil beherrscht, flankiert von zwei Seitenrisaliten. Im Mittelrisalit liegt eine tiefe Nische, darüber ein fein geschmiedetes Balkongitter, und das Hauptfenster trägt eine Wappenkartusche. Gliederungen aus Sandstein stehen vor verputzten Wandflächen. Im Bern des 18. Jahrhunderts war diese Kombination unerwünscht und kam ausser am Stiftsgebäude und am Waisenhaus kaum vor.
Das Haus entstand um 1763 bis 1765 als vollständiger Neubau für Johann Rudolf Fischer, laut Wikipedia Fischer-Sellon (1733–1806). Im Kern stecken nach dem Kunstführer der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte noch Teile eines Vorgängers von 1625 bis 1635. Wer es entwarf, ist nicht ganz gesichert: Der Kunstführer nennt Niklaus Sprüngli, das städtische Bauinventar schreibt es Sprüngli oder Erasmus Ritter zu und hält fest, dass die Monografie über Sprüngli es nicht zu seinen gesicherten Werken zählt. Das Motiv der Nische stammt aus Turin, Österreich und Frankreich und ist in Bern selten.
Ab 1836 gehörte das Haus der Familie Marcuard, deshalb heisst es auch Marcuard-Haus. 1949 kaufte es die Burgergemeinde Bern und machte es zum Sitz ihrer Verwaltung. Die Architekten Zeerleder & Wildbolz restaurierten es von 1950 bis 1952 und fügten einen neuen Südflügel an; 1973 wurde die Fassade erneuert.
Zur Kochergasse hin schliesst ein Gitter mit Tor den Garten ab, der als einzige offene Gartenanlage der oberen Altstadt erhalten blieb. Die dreigeschossige Gartenfassade springt in der Mitte dreiseitig vor. Im Inneren winden sich die Läufe eines monumentalen Treppenhauses um ein offenes Auge, das auf vier Pfeilern ruht; Figuren von Putten und Löwen schliessen die Geländer ab. Steinbildhauerei, Stuck, Täfer, Parkett, Metallarbeiten und Öfen prägen die Räume, die zwischen 1765 und 1785 ausgestattet wurden. Das Burgerhaus ist ein Kulturgut von nationaler Bedeutung.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Amthausgasse 5 · KGS-Inventar, Objektbeschreibung GSK-Kunstführer: Burgerhaus (KGS 616) · Wikipedia (de): Amthausgasse (Bern) · Wikidata: Q19362472
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