Erlacherhof
Der Erlacherhof an der Junkerngasse 47 ist ein spätbarockes Stadtpalais von 1745 bis 1752 und heute Sitz des Berner Stadtpräsidiums.

- Adresse
- Junkerngasse 47
- Baujahr
- 1745–1752
- Architekt
- Albrecht Stürler (laut Stadt Bern; laut Wikipedia „vermutlich“)
- Stil
- Spätbarock (Rokoko)
- Heute
- Sitz des Stadtpräsidiums, der Präsidialdirektion und der Stadtkanzlei, Sitzungsort des Gemeinderats
- Schutz
- Kulturgut von nationaler Bedeutung (KGS A), schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
Wer die Junkerngasse hinuntergeht, findet bei Nummer 47 eine Lücke in der geschlossenen Häuserzeile. Hinter einer Laube und einem schmiedeeisernen Gitter öffnet sich ein Hof, um den sich das Palais mit zwei Seitenflügeln legt. Ein solcher Ehrenhof, in den einst Kutschen einfahren sollten, ist in der Berner Altstadt einzigartig. Die vorgelagerte Laube ist für diesen Bautyp ungewöhnlich; sie erklärt sich aus der Berner Vorschrift, dass Grundbesitzer einen gedeckten Durchgang entlang der Gasse bieten mussten.
Bauherr war Hieronymus von Erlach, die Pläne stammen nach Angaben der Stadt von Albrecht Stürler; andere Quellen bezeichnen Stürler nur als mutmasslichen Architekten. Gebaut wurde 1745 bis 1752 an der Stelle von zwei älteren Häusern, von denen eines einst der Familie Adrians von Bubenberg gehört hatte. Das Palais folgt dem französischen Schema eines Stadthauses zwischen Hof und Garten. Da Bauherr und Architekt 1748 starben, führte Hieronymus' Sohn Albrecht Friedrich von Erlach den Bau zu Ende, wohl unter Mitwirkung des Bildhauers Johann August Nahl des Älteren. Die Giebel der beiden Seitenflügel tragen auf seinen Wunsch die Initialen des Vaters: „HvE“.
1795 verkaufte die Familie das Haus an den Grossmetzger Albrecht Hegi und den Kaufmann David Rudolf Bay. Nach dem Ende des alten Bern 1798 diente es dem französischen General Guillaume Brune als Hauptquartier, später als Schulhaus für das Mattequartier und bis 1831 als Sitz der französischen Botschaft. 1832, als die Stadtbehörden bereits hier sassen, wurden im Erlacherhof Patronen entdeckt, die eine Gruppe von Patriziern gegen die neue liberale Kantonsregierung hatte beschaffen lassen; die Mitglieder dieser Kommission wurden wegen Hochverrats angeklagt. Von 1848 bis 1857 war das Palais der Amtssitz des Bundesrats.
Seit 1857 nutzt die Stadtverwaltung den Erlacherhof wieder. Hier arbeiten das Stadtpräsidium, die Präsidialdirektion und die Stadtkanzlei, und der Gemeinderat tritt hier wöchentlich zusammen. Hinter dem Haus liegt eine aufgeschüttete Gartenterrasse über dem Aaretal. Ihr heutiger Garten mit buchsgesäumten Beeten, zwei Reihen Kugelahorn und einem ovalen Brunnenbecken wurde 1979 nach älteren Bildvorlagen angelegt.
Beim Blick vom Hof lohnt es sich, nach oben zu schauen: Die Initialen „HvE“ in den Giebeln erinnern an den Bauherrn, der die Vollendung seines Palais nicht mehr erlebte.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Untere Altstadt (alle Adressen) · Stadt Bern: Erlacherhof · Wikipedia (de): Erlacherhof · Reto Bleuer: Die Erlacherhof-Verschwörung, Blog des Schweizerischen Nationalmuseums (2025) · Wikidata: Q1355223
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