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Food Waste in der Schweiz: Wie viel Essen verloren geht und was das für Bern heisst

Rund ein Drittel der essbaren Lebensmittel geht in der Schweiz zwischen Acker und Teller verloren. Hier siehst du, wo das passiert, was der Bund dagegen tut und was das für Bern bedeutet.

Von Richard Červenka · 5 Min. Lesezeit · aktualisiert am 1. November 2026

Ein Container eines Lebensmittelhändlers in der Schweiz, gefüllt mit weggeworfenem Fleisch nach Weihnachten.
Foto: PizzaToast, Wikimedia Commons, CC0 · Quelle

Die grosse Zahl: 2,8 Millionen Tonnen

Laut dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) geht rund ein Drittel der essbaren Teile von Lebensmitteln zwischen Acker und Teller verloren oder wird verschwendet. Für den Konsum der Schweiz sind das rund 2,8 Millionen Tonnen pro Jahr. 2017 waren es rund 330 kg pro Person, für 2024 schätzt man 310 kg pro Person und Jahr, über alle Stufen (Zwischenstandsbericht 2025 von ZHAW und BAFU).

Gemeint sind vermeidbare Verluste: essbare Teile von Lebensmitteln, die für Menschen produziert, aber nicht von Menschen gegessen werden. Laut BAFU gehen 25 Prozent der Umweltbelastung unserer Ernährung auf solche Verluste zurück. Würde die Schweiz sie halbieren, sänken Umweltbelastung und Treibhausgase der Ernährung um 10 bis 15 Prozent.

Wo in der Kette das Essen verloren geht

Der Bericht von ZHAW und BAFU schätzt für 2024 diese Mengen. Für Landwirtschaft und Verarbeitung sind es Zahlen von 2017, hochgerechnet auf die heutige Bevölkerung.

  • Landwirtschaft: rund 590 000 Tonnen, 14 % der Umweltbelastung
  • Verarbeitung: rund 1,03 Millionen Tonnen, 29 %
  • Handel: rund 270 000 Tonnen, 9 %
  • Gastronomie: rund 190 000 Tonnen, 13 %
  • Haushalte: rund 720 000 Tonnen, 35 %

Die grösste Menge fällt in der Verarbeitung an, die grösste Umweltbelastung in den Haushalten. Laut foodwaste.ch wirft jede Person im Haushalt pro Jahr rund 80 kg Lebensmittel weg, im Wert von rund 600 Franken.

Gastronomie: kleiner Anteil, grosser Hebel

In Restaurants, Kantinen und Heimen gehen laut Bericht 10 bis 20 Prozent der eingekauften Lebensmittel verloren, ähnlich viel wie in privaten Haushalten. Gemessen wird in drei Gruppen: Küche und Lager (Überproduktion, Verderb), Gast (Tellerreste, Brot vom Tisch) und Rüstabfälle (Schalen, Strünke).

Elf Unternehmen mit 872 Betrieben haben 2024 gemessen. Sie lagen bei rund 66 Gramm pro Hauptmahlzeit, etwa halb so viel wie die Schätzung für 2017 (127 Gramm). Diese Betriebe decken aber nur 5 bis 7 Prozent des Marktes ab. Für die ganze Branche schätzt der Bericht eine Reduktion von 4 bis 14 Prozent. Laut BAFU waren die Fortschritte im Detailhandel und in der Gastronomie vor allem dort gross, wo Unternehmen ihre Verluste messen.

Was der Bund tut und wo er steht

Am 6. April 2022 hat der Bundesrat einen Aktionsplan gegen die Lebensmittelverschwendung gestartet. Das Ziel: die vermeidbaren Verluste bis 2030 gegenüber 2017 halbieren. Am 12. Mai 2022 unterzeichneten der Bund und 28 Führungskräfte aus Unternehmen und Verbänden eine branchenübergreifende Vereinbarung. Laut Zwischenbericht vom Mai 2026 machen 37 Unternehmen und Organisationen mit.

Die Zwischenbilanz ist ernüchternd. Von 2017 bis 2024 sanken die Verluste um rund 5 Prozent. Für eine Halbierung bis 2030 wären bis 2025 rund 25 Prozent nötig gewesen. Weil die Bevölkerung gleichzeitig um knapp 7 Prozent wuchs, blieb die Gesamtmenge bei etwa 2,8 Millionen Tonnen. Am weitesten ist der Detailhandel mit rund 20 Prozent weniger Verlusten. In den Haushalten liegt die Schätzung für 2024 rund 13 Prozent tiefer als 2017. Einen klaren Trend sieht der Bericht dort aber noch nicht.

Am 6. Mai 2026 hat der Bundesrat den Zwischenbericht gutgeheissen. Er setzt weiter auf Freiwilligkeit, will mehr Akteure einbinden, bessere Daten erheben und die Haushalte stärker sensibilisieren. 2028 folgt der nächste Bericht.

Und Bern?

Eigene Zahlen nur für die Stadt oder den Kanton Bern haben wir in den geprüften Quellen nicht gefunden. Die Schweizer Zahlen gelten aber auch hier. Die Stadt Bern hat im Dezember 2024 ihr Konzept Nachhaltige Ernährung verabschiedet. Eines von sechs Handlungsfeldern heisst „Lebensmittelverluste und Entsorgung“. Laut dem Konzept hat die Stadt das grösste Potenzial in ihren eigenen Verpflegungsbetrieben, etwa in Kitas und Tagesschulen.

Für den Alltag heisst das:

  • Zu Hause: In der Stadt Bern dürfen neben Garten- und Rüstabfällen auch Speisereste in den grünen Container.
  • In Restaurants und Kantinen: Für gewerbliche Küchen gelten strengere Regeln: Sie dürfen die städtische Grünabfuhr nicht nutzen und brauchen private Entsorger. Das ist teils teuer, darum werden Speisereste aus Betrieben laut Konzept grösstenteils verbrannt.

Die Stadt hält sich an diese Reihenfolge: zuerst Überproduktion vermeiden, dann Lebensmittel für Menschen nutzen, dann als Tierfutter, dann in der Biogas- oder Kompostieranlage. Verbrennen kommt zuletzt.

Was du tun kannst

Zu Hause: foodwaste.ch nennt fünf Schritte: clever einkaufen, richtig lagern, Haltbarkeitsdaten richtig lesen, kreativ kochen und alles verwerten, Essen teilen. Beim Datum helfen dir Haltbar oder nicht? und unser Artikel zu Mindesthaltbarkeit und Verbrauchsdatum. Für Reste gibt es die Reste-Küche.

In einer Küche: Miss, was übrig bleibt, in den drei Gruppen oben, laut Leitfaden der Branche mindestens vier Wochen pro Jahr. Was trotzdem übrig bleibt, darfst du unter Bedingungen weitergeben. Wie das sicher geht, steht in Speisen sicher weitergeben und in der Checkliste für Restaurants und Kantinen.

übrig ist ein Gratis-Werkzeug aus Bern für Küchen, im Browser und ohne Konto: sieben Hygienefragen, ein Etikett, ein Protokoll. Der Pilot hat noch nicht begonnen. Gekochte Speisen sind nur für Notschlafstellen und soziale Einrichtungen gedacht, etwa die Gassenküche oder Punkt 6. Die öffentlichen Kühlschränke von Madame Frigo nehmen keine gekochten Speisen. Wo du in Bern sonst Lebensmittel rettest, steht in Lebensmittel retten in Bern.

Quellen

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Text: Richard Červenka, Bärn Kit. Fehler gefunden? Schreib an hallo@uebrig.ch.