Kirchenfeldbrücke
Die Kirchenfeldbrücke verbindet seit 1883 den Casinoplatz mit dem Kirchenfeld; die Bogenbrücke aus Eisen erschloss das neue Wohnquartier.

- Adresse
- Kirchenfeldbrücke
- Baujahr
- 1881–1883
- Architekt
- Ingenieure Moritz Probst und Jules Röthlisberger (Firma G. Ott & Cie.)
- Stil
- Genietete Zweibogenbrücke aus Schweisseisen
- Heute
- Strassen- und Tramverbindung zwischen Altstadt und Kirchenfeld
- Schutz
- Kulturgut von nationaler Bedeutung (KGS A), schützenswert (Bauinventar)
Über den Bau
Vom Casinoplatz führt die Kirchenfeldbrücke über die Aare zum Helvetiaplatz. Wer von unten, etwa von der Aarestrasse, hinaufschaut, sieht zwei flache Bögen aus genieteten Gitterträgern, auf denen eiserne Fachwerkpfeiler die gerade Fahrbahn tragen. Die Brücke ist rund 230 Meter lang; für die Spannweite der beiden Bögen nennt das Bauinventar je 81 Meter, die Stadt und Wikipedia 78 Meter.
Ideen für eine Brücke ins Kirchenfeld gab es schon im frühen 19. Jahrhundert. Verwirklicht wurde sie erst, als 1881 in London die Berne Land Company gegründet wurde. Sie kaufte das Kirchenfeld für 425 000 Franken, um es als Wohnquartier zu erschliessen, und baute im Gegenzug die Brücke. Ausgewählt wurde ein günstiges Projekt der Berner Eisenbaufirma Gottlieb Ott & Cie.; entworfen haben es die Ingenieure Moritz Probst und Jules Röthlisberger. Baubeginn war am 15. Dezember 1881, die Bögen wurden vom November 1882 bis März 1883 montiert, und am 24. September 1883 wurde die Brücke mit einem grossen Volksfest eingeweiht. Im Volksmund hiess sie wegen der englischen Geldgeber lange die „Englische Brücke“.
Vor ihr waren im Land erst zwei Brücken dieses Typs gebaut worden, die Schwarzwasserbrücke und die Javroz-Brücke im Kanton Freiburg. Das Tragwerk besteht aus rund 1300 Tonnen Schweisseisen. Das Bauinventar zählt sie zu den Hauptwerken der Eisenbaukunst im Land. Nach der Fertigstellung gehörte sie dem Kanton, seit 1953 der Stadt.
Der Verkehr veränderte die Brücke immer wieder. 1901 erhielt sie ein erstes Tramgleis, 1913/14 ein zweites. Weil die Brücke von Anfang an schwang, wurden damals die Hauptpfeiler verstärkt: Laut Wikipedia wurden sie mit Stahlbeton ummantelt, laut Bauinventar in Stein ersetzt. 1972 wichen die gusseisernen Geländer neuen aus Leichtmetall, 2018 wurde die Brücke erneut saniert und verstärkt.
Ein kleines Stück Vergangenheit blieb: Gegenüber der Kunsthalle sind noch 55 Zentimeter des alten Geländers erhalten. Und wer Pascal Merciers Roman „Nachtzug nach Lissabon“ kennt, weiss, dass seine Geschichte auf dieser Brücke beginnt.
Recherchiert und zusammengefasst von Bärn Kit. Quellen: Bauinventar der Stadt Bern: Kirchenfeldbrücke · Wikipedia (de): Kirchenfeldbrücke · Stadt Bern: Factsheet Kirchenfeldbrücke · Wikidata: Q1743111
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