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Kunst in Bern

Die Galerie ohne Eintritt: Kunst auf Berns Friedhöfen

Im Zentrum Paul Klee oder im Kunstmuseum Bern zahlst du 20 bis 24 Franken Eintritt. Auf den Friedhöfen stehen Skulpturen, Reliefs und Grabmäler bekannter Künstlerinnen und Künstler, ohne Eintritt und rund um die Uhr offen.

Von Richard Červenka · 7 Min. Lesezeit · aktualisiert am 1. November 2026

Das Grab von Paul Klee auf dem Schosshaldenfriedhof: eine bronzene Platte mit Inschrift, umgeben von Bodendeckern und roten Blumen, an den Seiten Steinplatten und Rasen.
Foto: Beat Estermann, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 · Quelle

Beim Fotografieren für die Kunstkarte bin ich immer wieder auf Friedhöfen gelandet. Auf dem Bremgartenfriedhof, dem Schosshaldenfriedhof und dem Friedhof Bümpliz stehen erstaunlich viele Kunstwerke, von Bronzefiguren bis zu Arbeiten aus Stahl. Oft war ich dort fast allein mit ihnen. Warum bezahlen wir für Kunst im Museum und gehen an dieser hier vorbei?

Eintritt: 0 Franken

Ein regulärer Eintritt kostet im Zentrum Paul Klee 20 Franken, im Kunstmuseum Bern 24 Franken (Stand November 2026). Die drei städtischen Friedhöfe sind dagegen durchgehend geöffnet und kosten nichts. Den Bremgartenfriedhof, eröffnet 1865, beschreibt die Stadt als grosse, alte Parkanlage mit Brunnen und Skulpturen.

Im Verzeichnis „Kunst im öffentlichen Raum“ der Stadt Bern stehen fast 60 Werke auf diesen drei Friedhöfen. Wir haben 16 weitere dazugenommen, aus eigenen Rundgängen und aus OpenStreetMap, Wikidata und Wikimedia Commons, jedes mit Quelle. Auf der Karte sind es jetzt 74, die ganze Liste steht unten.

Paul Klee, nur einen Steinwurf vom Museum

Paul Klee liegt auf dem Schosshaldenfriedhof. Sein Grab ist eine schlichte Bronzeplatte am Boden, auf der auch seine Frau Lily Klee-Stumpf genannt ist. Das Zentrum Paul Klee steht nicht zufällig in der Nähe: Die Stifter Maurice E. und Martha Müller wollten das Museum im Quartier, in dem Klees Grab liegt. Es öffnete im Juni 2005. Ein Weg führt vom Museum zum Friedhof, bis zum Grab sind es rund 230 Meter.

Auf der Platte steht ein Text, den Klee laut den Quellen schon 1920 selbst geschrieben hat:

„Diesseitig bin ich gar nicht fassbar. Denn ich wohne grad so gut bei den Toten wie bei den Ungeborenen. Etwas näher dem Herzen der Schöpfung als üblich. Und noch lange nicht nahe genug.“

Auf demselben Friedhof schmückt seit 1939 Louis Moilliets Sgraffito Musizierende Engel die Kapelle. Moilliet war ein Freund von Klee und reiste 1914 mit ihm nach Tunis.

Leben von der Kunst?

Viele Kunstschaffende in der Schweiz verdienen wenig. In einer Umfrage von 2021 im Auftrag von Suisseculture Sociale und Pro Helvetia gaben 60 Prozent an, mit weniger als 40 000 Franken netto im Jahr zu leben, bei den Selbständigen 67 Prozent. Im Durchschnitt arbeiteten sie 45 Stunden pro Woche.

Oft heisst es, Kunst werde erst nach dem Tod wertvoll. Für Vincent van Gogh stimmt das: Zu Lebzeiten verkaufte er kaum etwas, die grosse Anerkennung kam erst danach. Eine Regel ist es aber nicht. Paul Klee war schon zu Lebzeiten international angesehen. Das Kunstmuseum Bern zeigte 1910 als erste Kunstinstitution eine Einzelausstellung mit seinen Werken. Trotzdem verdiente in seinen frühen Jahren seine Frau Lily als Pianistin und Klavierlehrerin das Geld für die Familie. Ökonomen haben beobachtet, dass die Preise mancher Künstler um ihren Tod herum steigen. Den vielen, deren Werke nie gehandelt werden, hilft das nicht. Ein Anfang ist, die Kunst anzuschauen, die schon da ist, und die Namen der Menschen dahinter zu kennen.

Ein Ort zum Nachdenken

Das Friedhofreglement der Stadt nennt die Friedhöfe „Stätten der Ruhe, Besinnung und Erholung“. Ganz still sind sie nicht immer, beim Schosshaldenfriedhof hört man die Autobahn. Trotzdem denkt man auf einem Friedhof über das eigene Leben und die eigene Endlichkeit nach. Auf dem Bremgartenfriedhof lädt der Besinnungsweg der Stadt mit kurzen Texten dazu ein. Begleitete Rundgänge für Gruppen sind gratis.

Viele Werke handeln davon. Karl Schenks Skulptur Sein und Werden (1938) am alten Eingang des Bremgartenfriedhofs steht für Leben und Tod. Die Plastiken und Reliefs von Schang Hutter an der Urnennischenwand in Bümpliz tragen auch Gedichte von Peter Bichsel und Friedrich Hölderlin.

Was es zu sehen gibt

Auf dem Bremgartenfriedhof trägt das Grab des Politikers Robert Grimm einen Porträtkopf von Karl Schenk (1933), das Grab von Eugen Huber, dem Verfasser des Zivilgesetzbuchs, ein Grabmal von Hermann Hubacher (1929). Auf dem Grab von Margrit und Hermann Rupf steht die Bronze Femme accroupie von Henri Laurens (1935). Am Gemeinschaftsgrab stehen die blaue Wand und die blaue Walze von Christoph Haerle (1996–1997), am Haupteingang der Kenotaph von Walter Kretz (2002).

Auf dem Schosshaldenfriedhof gehört der Grosse Engel von Marcel Perincioli zu keinem Grab, er ist Teil der Gestaltung des Friedhofs. Seit 1983 bewahrt ein Museumsgrabfeld typische Grabmäler aus allen drei Friedhöfen. In Bümpliz zeigte die Stadt 2013 rund 30 Werke in einer Ausstellung. Roland Fornaros Über-setzen ist geblieben.

Bremgartenfriedhof (38 Werke)

Schosshaldenfriedhof (27 Werke)

Friedhof Bümpliz (9 Werke)

Mit Respekt fotografieren

Kunstwerke, die bleibend im Freien auf allgemein zugänglichem Grund stehen, darf man in der Schweiz fotografieren und die Bilder veröffentlichen (Urheberrechtsgesetz, Art. 27). Nicht erlaubt sind dreidimensionale Nachbildungen. Auf dem Friedhof gilt zudem das Reglement: Ruhestörungen und unangebrachtes Verhalten sind untersagt. Fotografiere darum keine Trauernden und keine Trauerfeiern, und zeige Namen auf den Gräbern von Privatpersonen zurückhaltend.

Ein Werk fehlt auf der Karte, oder du hast ein besseres Foto? Auf jeder Werkseite gibt es „Foto hinzufügen“, auf der Karte „Ort vorschlagen“. Jeder Vorschlag wird von Hand geprüft.

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Quellen

Daten: Kultur Stadt Bern (offene Daten „Kunst im öffentlichen Raum“), © OpenStreetMap-Mitwirkende. Text: Richard Červenka, Bärn Kit. Fehler gefunden? Schreib an hallo@uebrig.ch.