Die Galerie ohne Eintritt: Kunst auf Berns Friedhöfen
Im Zentrum Paul Klee oder im Kunstmuseum Bern zahlst du 20 bis 24 Franken Eintritt. Auf den Friedhöfen stehen Skulpturen, Reliefs und Grabmäler bekannter Künstlerinnen und Künstler, ohne Eintritt und rund um die Uhr offen.

Beim Fotografieren für die Kunstkarte bin ich immer wieder auf Friedhöfen gelandet. Auf dem Bremgartenfriedhof, dem Schosshaldenfriedhof und dem Friedhof Bümpliz stehen erstaunlich viele Kunstwerke, von Bronzefiguren bis zu Arbeiten aus Stahl. Oft war ich dort fast allein mit ihnen. Warum bezahlen wir für Kunst im Museum und gehen an dieser hier vorbei?
Eintritt: 0 Franken
Ein regulärer Eintritt kostet im Zentrum Paul Klee 20 Franken, im Kunstmuseum Bern 24 Franken (Stand November 2026). Die drei städtischen Friedhöfe sind dagegen durchgehend geöffnet und kosten nichts. Den Bremgartenfriedhof, eröffnet 1865, beschreibt die Stadt als grosse, alte Parkanlage mit Brunnen und Skulpturen.
Im Verzeichnis „Kunst im öffentlichen Raum“ der Stadt Bern stehen fast 60 Werke auf diesen drei Friedhöfen. Wir haben 16 weitere dazugenommen, aus eigenen Rundgängen und aus OpenStreetMap, Wikidata und Wikimedia Commons, jedes mit Quelle. Auf der Karte sind es jetzt 74, die ganze Liste steht unten.
Paul Klee, nur einen Steinwurf vom Museum
Paul Klee liegt auf dem Schosshaldenfriedhof. Sein Grab ist eine schlichte Bronzeplatte am Boden, auf der auch seine Frau Lily Klee-Stumpf genannt ist. Das Zentrum Paul Klee steht nicht zufällig in der Nähe: Die Stifter Maurice E. und Martha Müller wollten das Museum im Quartier, in dem Klees Grab liegt. Es öffnete im Juni 2005. Ein Weg führt vom Museum zum Friedhof, bis zum Grab sind es rund 230 Meter.
Auf der Platte steht ein Text, den Klee laut den Quellen schon 1920 selbst geschrieben hat:
„Diesseitig bin ich gar nicht fassbar. Denn ich wohne grad so gut bei den Toten wie bei den Ungeborenen. Etwas näher dem Herzen der Schöpfung als üblich. Und noch lange nicht nahe genug.“
Auf demselben Friedhof schmückt seit 1939 Louis Moilliets Sgraffito Musizierende Engel die Kapelle. Moilliet war ein Freund von Klee und reiste 1914 mit ihm nach Tunis.
Leben von der Kunst?
Viele Kunstschaffende in der Schweiz verdienen wenig. In einer Umfrage von 2021 im Auftrag von Suisseculture Sociale und Pro Helvetia gaben 60 Prozent an, mit weniger als 40 000 Franken netto im Jahr zu leben, bei den Selbständigen 67 Prozent. Im Durchschnitt arbeiteten sie 45 Stunden pro Woche.
Oft heisst es, Kunst werde erst nach dem Tod wertvoll. Für Vincent van Gogh stimmt das: Zu Lebzeiten verkaufte er kaum etwas, die grosse Anerkennung kam erst danach. Eine Regel ist es aber nicht. Paul Klee war schon zu Lebzeiten international angesehen. Das Kunstmuseum Bern zeigte 1910 als erste Kunstinstitution eine Einzelausstellung mit seinen Werken. Trotzdem verdiente in seinen frühen Jahren seine Frau Lily als Pianistin und Klavierlehrerin das Geld für die Familie. Ökonomen haben beobachtet, dass die Preise mancher Künstler um ihren Tod herum steigen. Den vielen, deren Werke nie gehandelt werden, hilft das nicht. Ein Anfang ist, die Kunst anzuschauen, die schon da ist, und die Namen der Menschen dahinter zu kennen.
Ein Ort zum Nachdenken
Das Friedhofreglement der Stadt nennt die Friedhöfe „Stätten der Ruhe, Besinnung und Erholung“. Ganz still sind sie nicht immer, beim Schosshaldenfriedhof hört man die Autobahn. Trotzdem denkt man auf einem Friedhof über das eigene Leben und die eigene Endlichkeit nach. Auf dem Bremgartenfriedhof lädt der Besinnungsweg der Stadt mit kurzen Texten dazu ein. Begleitete Rundgänge für Gruppen sind gratis.
Viele Werke handeln davon. Karl Schenks Skulptur Sein und Werden (1938) am alten Eingang des Bremgartenfriedhofs steht für Leben und Tod. Die Plastiken und Reliefs von Schang Hutter an der Urnennischenwand in Bümpliz tragen auch Gedichte von Peter Bichsel und Friedrich Hölderlin.
Was es zu sehen gibt
Auf dem Bremgartenfriedhof trägt das Grab des Politikers Robert Grimm einen Porträtkopf von Karl Schenk (1933), das Grab von Eugen Huber, dem Verfasser des Zivilgesetzbuchs, ein Grabmal von Hermann Hubacher (1929). Auf dem Grab von Margrit und Hermann Rupf steht die Bronze Femme accroupie von Henri Laurens (1935). Am Gemeinschaftsgrab stehen die blaue Wand und die blaue Walze von Christoph Haerle (1996–1997), am Haupteingang der Kenotaph von Walter Kretz (2002).
Auf dem Schosshaldenfriedhof gehört der Grosse Engel von Marcel Perincioli zu keinem Grab, er ist Teil der Gestaltung des Friedhofs. Seit 1983 bewahrt ein Museumsgrabfeld typische Grabmäler aus allen drei Friedhöfen. In Bümpliz zeigte die Stadt 2013 rund 30 Werke in einer Ausstellung. Roland Fornaros Über-setzen ist geblieben.
Bremgartenfriedhof (38 Werke)
- Paar, Karl Hänny, um 1903
- Grabmal Eugen Huber, Hermann Hubacher, 1929
- Porträtkopf von Robert Grimm, Karl Schenk, 1933
- Femme accroupie, Henri Laurens, 1935
- ohne Titel, Max Fueter, 1936
- Sein und Werden, Karl Schenk, 1938
- Frauentorso, Hermann Hubacher, 1943
- Vase, Max Fueter, 1951
- Lebensbaum und Lebensstrom, Carl Bieri, 1954-1956
- Kreuzigung Christi / Grablegung Christi / Auferstehung Christi / Christus mit Engeln, Gustave Piguet, 1955
- Christliche Symbole, Peter Stein; Max von Mühlenen, 1956
- Die vier Tierkreiszeichen der vier Jahres- oder Lebenszeiten, Gustave Piguet, 1956
- ohne Titel, Walter Linck, 1957
- Das vorüberziehende Vergängliche (Engel), Albert Lindegger, 1959
- Das vorüberziehende Vergängliche (Paar), Albert Lindegger, 1959
- Sterbender Jüngling mit Frauenfigur, Karl Schenk, 1959
- Ankerkreuz mit Dornenkrone, Marcel Perincioli, 1964
- Weibliche Figur, Karl Schenk, 1964
- Ehrengrabmal Eduard Freimüller, August Paris, 1966
- Grabmal Charles Hector Gosset, Walter Speich, 1971
- Rodogune, Max Fueter, 1975
- ohne Titel, Marcel Perincioli, 1976
- Lebensbaum, Richard Wyss, 1980
- Grabmal Kurt Schaufelberger, Willy Weber, 1983
- Rede Herr, dein Diener hört, Franco Annoni, 1991
- ohne Titel, Christoph Haerle, 1996-1997
- Der gute Geist, Hedwig Hayoz-Häfeli, 1997
- Grabmal Heinz Jost, Walter Kretz, 1997
- Kenotaph, Walter Kretz, 2002
- Sinnende Frau, Hedwig Hayoz-Häfeli, 2002
- Anatomiegrab, Walter Kretz, 2011
- Adler, Künstler*in unbekannt
- Adorantin, Walter Schnegg
- Brunnen mit Rundtempel, Künstler*in unbekannt
- Familiengrab von Theodor Kocher, Künstler*in unbekannt
- Frauenfigur (Grabmal), Künstler*in unbekannt
- Grab von Michail Bakunin, Daniel Garbade
- ohne Titel (Edelstahlplastik), Künstler*in unbekannt
Schosshaldenfriedhof (27 Werke)
- Altes Eingangsportal des Friedhofs, Künstler*in unbekannt, um 1877
- Säulen-Halbrund mit zwei Frauenfiguren, Louis Wethli, 1926
- Kniende, Max Fueter, 1931
- ohne Titel, August Paris, 1934
- Die Auferstehung des Fleisches, Leo Steck, 1936
- Musizierende Engel, Louis Moilliet, 1937-1939
- Porträt von Prof. Dr. iur. F. Volmar, von Arx, 1945
- Sitzender Mann / Athlet?, Marcel Perincioli, 1952
- Grosser Engel, Marcel Perincioli, 1958-1959
- Portrait-Relief des Malers Ernst Kreidolf, Max Fueter, 1958
- Grabmal Joseph Dettling, Künstler*in unbekannt, 1960
- Paar, Gustave Piguet, 1961
- Mädchen, Gustave Piguet, 1962
- Porträt von Otto Kreis, dirigierend, Gustave Piguet, 1966
- Lebensflamme, August Paris, 1968
- Lebenslauf, Max Fueter, 1970
- Schwebende weibliche Figur, Walter Schnegg, 1971
- Kniender Jüngling, Gustave Piguet, 1972
- Weibliche und männliche Figur, Max Fueter, 1973
- Urnennischenanlage, Mariann Grunder, 1975-1978
- Auferstehung, Marcel Perincioli, 1979
- Sitzende, Bettina Eichin, 1989
- Grab von Paul Klee, Künstler*in unbekannt
- Museumsgrabfeld, Künstler*in unbekannt
- Phoenix, Hedwig Hayoz-Häfeli
- ohne Titel, Künstler*in unbekannt
- ohne Titel, Künstler*in unbekannt
Friedhof Bümpliz (9 Werke)
- ohne Titel, Gian Fontana, 1972
- Gemeinschaftsgrab, Walter Kretz, 1975
- Kauernde Frauenfigur, Walter Schnegg, 1975
- Urnennischenwand, Schang Hutter, 1994
- Grab Thea Ketterer, Frantiček Klossner, 2001
- Reflexionen, Hubert Dechant, 2004
- Windfahne, Monika Gallegra; Joseph Fässler; Martha und Walter Hofer, 2013
- Über-setzen, Roland Fornaro, 2013
- ohne Titel, Künstler*in unbekannt
Mit Respekt fotografieren
Kunstwerke, die bleibend im Freien auf allgemein zugänglichem Grund stehen, darf man in der Schweiz fotografieren und die Bilder veröffentlichen (Urheberrechtsgesetz, Art. 27). Nicht erlaubt sind dreidimensionale Nachbildungen. Auf dem Friedhof gilt zudem das Reglement: Ruhestörungen und unangebrachtes Verhalten sind untersagt. Fotografiere darum keine Trauernden und keine Trauerfeiern, und zeige Namen auf den Gräbern von Privatpersonen zurückhaltend.
Ein Werk fehlt auf der Karte, oder du hast ein besseres Foto? Auf jeder Werkseite gibt es „Foto hinzufügen“, auf der Karte „Ort vorschlagen“. Jeder Vorschlag wird von Hand geprüft.
Auch lesenswert
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- bern.ch: friedhofe
- bern.ch: bremgartenfriedhof
- bern.ch: schosshaldenfriedhof
- bern.ch: friedhof buempliz
- bern.ch: shf brosch.pdf
- bern.ch: broschure bremgartenfriedhof 2023.pdf
- bern.ch: broschure friedhof buempliz 2018.pdf
- bern.ch: persoenlichkeiten prominenz.pdf
- bern.ch: besinnungsweg
- stadtrat.bern.ch: 3596ef71dedd499aad75900d8eac8ada 332 (Friedhofreglement, Art. 3)
- zpk.org: gruendung
- zpk.org: paul klee biografie
- zpk.org: tickets
- kunstmuseumbern.ch: tickets
- aboutswitzerland.eda.admin.ch: paul klees universe of images and his work in bern
- fedlex.admin.ch: 1798 1798 1798 (URG Art. 27, 29, 32)
- suisseculturesociale.ch: Absicherung Kulturschaffende Bericht Schlussbericht 210624 de.pdf
- vangoghmuseum.nl: after vincents death
- ideas.repec.org: v24y2000i4p283 300.html
- Kultur Stadt Bern, Kunstwerke im öffentlichen Raum (offene Daten)
- OpenStreetMap, Wikidata, Wikimedia Commons
Daten: Kultur Stadt Bern (offene Daten „Kunst im öffentlichen Raum“), © OpenStreetMap-Mitwirkende. Text: Richard Červenka, Bärn Kit. Fehler gefunden? Schreib an hallo@uebrig.ch.